Mauretanien Teil 1

Auch wenn man überall liest, dass es eigentlich unkompliziert sei, aber halt seine Zeit dauert. Sicherheitshalber haben wir alles Unerlaubte gut versteckt und die Funkgeräte abmontiert. Gegen drei kamen wir dann an der Grenze an. Zum Glück nicht später. Denn nur schon die Ausreise aus Marokko hat sich ziemlich hingezogen. Wir hatten zwar grad auf Anhieb den richtigen Schalter gefunden und den Ausreisestempel erhalten. Dann ging es aber für den Toyota erstmal ab zum Röntgengerät und das dauerte… Hab ich so auch noch nie gesehen. In einer grossen Halle steht ein LKW mit einem Röntgengerät drauf. Jeder LKW und jedes grössere Auto wird da durchleuchtet. Ist alles i.O., wird noch ein Suchhund durch das Auto geschickt. Nix gefunden, also zurück zum Schalter und den Stempel für die Ausreise des Autos holen. Nachdem wir diesen Stempel dann gefühlte fünf Mal vorgezeigt hatten, waren sowohl wir als auch das Auto nach einer guten Stunde endlich ausgereist. Dann folgte ein Stück furchtbar schlechte Strasse im berüchtigten Niemandsland. Und dann waren wir an der mauretanischen Grenze. Dort mussten wir uns erst mal die ganzen Schlepper versuchen vom Hals zu halten. Wir haben es nicht ganz geschafft, denn irgendwann hatten wir doch einen im Schlepptau der uns natürlich meeeega geholfen hat 😉. Dann hiess es hier anstehen, dort anstehen, wieder den Suchhund ins Auto. Hier Visum kaufen, da Visum stempeln lassen, dort Autoversicherung kaufen. Und Skandal, dann war auch schon kurz vor Feierabend, was den letzten Beamte mit dem wichtigsten Stempel sichtlich genervt hat. Aber es ist wie’s ist und nach gut zwei Stunden haben wir auch das geschafft und sind offiziell in Mauretanien eingereist. Keine Sekunde zu früh denn hinter uns wurde die Grenze geschlossen. Schlüssel gedreht und fertig für heute. Öhm Glück gehabt, hätten wir sonst im Niemansland übernachten müssen….

Ach ja, ich habe noch ganz vergessen zu erwähnen, dass es während der ganzen Zeit immer mal wieder geregnet hatte. Und dann nicht nur so ein klitzekleines bisschen. Nö. Es hat geschüttet wie aus Kübeln. Wiedermal. Nachdem wir die ersten beiden Checkpoints passiert haben, sind wir auf den gemäss Beschreibung einzig passablen Campingplatz in Nouhadhibou gefahren. Wir fanden ihn supergemütlich. Wir konnten ganz nahe am Meer stehen und waren nicht mal alleine da.

Neben uns steht ein Van, mit einer jungen deutschen Familie. Zum Glück lässt dann auch der Regen nach und wir können draussen gemütlich essen. Sobald wir aber im Bett sind, fängt es wieder an zu schütten. Am nächsten Morgen sehe ich den Besitzer auf dem Dach des Hauses Wasser runterschaufeln. Im Haus selber tropft überall das Wasser von der Decke. Oups. Die Besitzerin war ziemlich besorgt um die Stabilität ihres Dachs und sie hat erzählt, dass es hier eigentlich nie regnet. Zumindest habe sie noch nie Regen gesehen, seit sie hier wohne. Wir haben uns deswegen entschlossen, unsere Pläne zu ändern und zuerst Richtung Süden zu fahren und nicht wie geplant über die Erzeisenbahnstrecke. Denn diese soll in diesem Jahr besonders schwierig zu fahren sein und nach Regen wollen wir lieber gar nicht erst versuchen herauszufinden, was das bedeutet.

Am nächsten Morgen geht es dann erst mal los in die Stadt. Wasser einkaufen, SIM-Karte kaufen und Geld abheben stehen auf dem Programm. Tja und was soll ich sagen, nun sind wir definitiv so richtig angekommen in Afrika und verstehen auch was der Reiseführere mit Achtung Kulturschock meint. Das ist ja vielleicht ein Gewusel auf den Strassen. Und was da alles so rumfährt? Wieder mehr Autos wie in Marokko aber Auto ist fast ein bisschen das falsche Wort. Das sind Bleckkisten auf vier (oder wahlweise drei…) Rädern.

Nachdem unsere Einkäufe erledigt sind, geht es weiter Richtung Süden. Unser Ziel ist der Nationalpark Banc d’ Arguin. Die Anfahrt ist schon mal toll, denn die Piste führt um erste kleine Sanddünen rum. Genau deswegen bin ich schliesslich nach Mauretanien gekommen. Sand. Teilweise müssen wir unseren Weg auch selber finden.

Danke dem Training von Mark meistern wir das gut und finden schon bald den Camping am Strand. Der ist zuerst zwar eine kleine Ernüchterung. Da stehen duzende Beduinenzelte am Strand und es sieht alles ein bisschen verlottert aus. Vermutlich sind diese für grössere Reisegruppen vorgesehen. Es sind aber keine anderen Touristen anwesend und sogar die Toilette funktioniert. Wir können unsere Autos einfach irgendwo am Strand hinstellen und ich habe mich natürlich in die erste Reihe gestellt. Welt wieder in Ordnung. Oder sagen wir mal fast, denn leider ist der Wind immer noch recht stark und zum Baden hat es uns deshalb grad so gar nicht angemacht. Obwohl der Strand superschön war. Selbst für einen ausgiebigen Strandspaziergang ist es uns zu windig. Oder wir zu faul. Wie auch immer.

Nach einem weiteren Frühstück mit viel Sand zwischen den Zähnen, geht es weiter in Richtung Hauptstadt Nouakchott. Dort angekommen, gibt es erstmal ein bisschen Weihnachten, denn wir finden einen richtigen Supermarkt. Zwar sauteuer für hiesige Verhältnisse aber bissel Luxus nach drei Wochen on the Road schadet ja nicht. Positiv überrascht von dem doch fast europäisch sauberen Neubaugebieten und dem wenigen Verkehr, erreichen wir rasch den Campingplatz am Strand. Und Wind und unruhige See hin oder her, ins unerwartet warme Wasser gehen wir heute trotzdem. Mindestens einmal muss also sein. Am Abend mache ich mit Panja einen Spaziergang zum nahegelegenen Fischerhafen. Da stehen ganz viele farbige Boote im Sand und einige liegen auf dem Meer vor Anker, ein tolles Fotosujet. Deshalb will ich am nächsten Morgen grad nochmals hin, um ein paar schöne Fotos zu machen. Farbige Boote gibt es aber kaum mehr am Strand. Irgendwie sind fast alle im Betrieb. Wir können dafür grad noch zuschauen, wie diese mit viel Manpowerunterstützung ausgelaufen sind.

Bevor unsere Tour weitergeht, müssen wir nochmals einen Bankomaten aufzusuchen, da wir wohl doch mehr Geld brauchen werden fürs Tanken, wie zuerst kalkuliert. Denn Mauretanien ist insofern speziell, dass es im ganzen Land nur eine Handvoll Bankomaten gibt, die ausländische Karten akzeptieren. Mit Karte zahlen ist schon grad gar nicht möglich. Euro wechseln soll zwar an vielen Orten möglich sein, aber da wir ja so ein blödes Differential kaufen mussten, ist der Euro Vorrat etwas dünner geworden. Drum also lieber nochmals Geld abheben. Damit wir nicht ins Gewühl der Stadt kommen, war der Plan einfach einmal quer durch auf der Hauptstrasse. Guter Plan, hat erst auch ganz gut funktioniert. Bis die Strasse nicht mehr existiert hat. Oder besser gesagt, anstatt der eingezeichneten Strasse ist da ein Eingangstor zur gigantischen chinesischen Baustelle. Auch hier sind sie also angekommen. Mitten in der Stadt führt unser Weg also plötzlich Offroad irgendwie über Baubrachen. Bis dann an der nächsten Kreuzung nix mehr geht. Bravo, mitten im grössten Gewusel gelandet. Selbst Kreuzungen mit Lichtsignal brauchen einen Polizisten mit Trillerpfeiffe, damit der Verkehr überhaupt einigermassen läuft. Iiiirgendwann haben wir dann die Stadt endlich hinter uns gelassen.

Auf der Strasse der Hoffnung geht es nun endlich westwärts. Durch unzählige Checkpoints hindurch. Checkpoints gab es ja bereits überall in Marokko. Dort wird man als Tourist meistens freundlich weitergewunken. Einzig bei den Militärpoints der Grenze entlang, wurden die Details aus dem Pass aufgenommen. Hier in Mauretanien ist es grad umgekehrt. Mit Ausnahme der LKWs dürfen die Einheimischen einfach durchfahren. Von den Touristen wird hingegen ein «Fiche» verlangt. Das ist ein Zettel, auf dem sämtliche Details von den Insassen und vom Auto draufstehen. Den macht man selber zu Hause und druckt ihn sich ganz viele Male aus. Nur eben wie viel ist viel Mal? Ich hatte irgendwie um die 70ig Kopien dabei. Nach Tag vier hatte ich noch 30 Stück. Öhm das könnte eng werden. Auch wenn wir bald die Strasse der Hoffnung verlassen und nicht mehr bei so vielen Ortschaften vorbeikommen. Denn normalerweise sind zwei Checkpoints vor den Ortschaften und zwei nacher. Warum zwei weiss kein Mensch, vermutlich einer von der Polizei und der zweite vom Militär oder sowas. Vorsorglich fange ich mal an, die Zettel zu halbieren und einen Teil mit Stift auf die Rückseite zu schreiben. Bei den Checks wird man ausserdem gefragt, woher man kommt und wohin man geht. Das sollte man besser sehr genau wissen. Sonst kann es passieren, das gleich noch eine Geographiestunde folgt. Aber normalerweise wird man recht schnell weitergewunken, nachdem man den Zettel abgegeben hat.

Da wir wissen, dass Mauretanien zu den am wenigsten besiedelten Ländern der Erde gehört, sind wir etwas erstaunt, dass sich an der Strasse der Hoffnung quasi ein Dorf an das nächste reiht. Es ist deshalb nicht ganz so einfach, eine passende Übernachtungsstelle zu finden. Und das Angebot an Campingplätzen ist sehr überschaubar. Schon ziemlich müde und kurz vor Sonnenuntergang fahren wir kurzerhand auf eine Piste und schlagen uns irgendwo in die Büsche. Natürlich dauert es nicht lange, bis der erste Hirte mit einer Herde Ziegen daherkommt. Dann noch einer mit Kühen. Offenbar haben wir unser Nachtlager direkt neben ihrem Übernachtungsplatz aufgeschlagen. Nach Einbruch der Dunkelheit bringen uns die Hirten einen Krug frischer Ziegenmilch. So lieb. Wir revanchieren uns natürlich mit Schokolade. Die Nacht ist dann nicht soooo ruhig wie gedacht, da dauernd irgendwelche Viecher zum Grüezi sagen vorbeikommen. Ausserdem sind wir etwas verwirrt, da überall in den Büschen Lichter zu sehen waren, die sich nicht gross bewegen. Hocken da überall Hirten? Das Rätsel hat sich dann am nächsten Morgen geklärt. Die Lichter sind Positionslichter der Esel, die da angebunden sind. Vermutlich, damit sie auch in der Nacht gefunden werden. Clever und ab jetzt wissen wir, leuchtet irgendwo nachts ein Licht, kann der nächste Hirte nicht soooo weit weg sein.

Am folgenden Tag geht es endlich wieder auf eine Piste. Ziel Sandkrokodile. Zuerst war ich ja etwas skeptisch, ob sich die lange Anreise wegen ein paar Krokodile wirklich lohnt. Auch wenn Krokodile in der Wüste natürlich per se schon etwas Spezielles sind. Aber das kleine Tal, in dem sich das Wasserloch mit den Krokodilen befindet, ist wunderschön und die Anreise lohnt sich allemal! Wir campieren am Eingang des Canyons und laufen zu einem Aussichtpunkt über den Krokodilen. Von da oben hat man einen genialen Blick. Irgendwie stelle ich mir so den Garten Eden vor. Neben den Krokodilen wohnen da jede Menge Vögel und Pavian Affen.

Ausserdem wird das Wasserloch von ganzen Karawanen von Eseln, Pferden und Kühen aufgesucht. Und dann sind da noch die Riesenheuschrecken. Wir haben schon gesehen, dass einige Bäume voll von diesen Viechern waren. Nach dem Essen habe ich mich über ein komisches Rauschen in der Luft gewundert und in den Himmel geschaut. Der war übersäht von fliegenden Heuschrecken. Keine Ahnung wie viele das waren aber minutenlang war der Himmel schwarz von den Viechern. Das müssen Millionen gewesen sein. War als ein sehr apokalyptisches Schauspiel.

Nach diesem kurzen Abstecher zu den Krokodilen startet unser Mauretanienabenteuer so richtig, denn wir nehmen die erste längere Offroadstrecke unter die Räder. Obwohl die Strasse auf der Karte weiss eingezeichnet ist, erkennen wir häufig kaum mehr irgendwelche Spuren und wir brauchen schon etwas Phantasie, um unseren Weg zu finden. Teilweise führt der Weg auch über richtige Sanddünen. An einem sehr sandigen Pass brauchen wir dann mehrere Anläufe und die Winde, bis wir beide oben angekommen sind. Dafür werden wir mit einem wunderbaren Campspot belohnt. Es dauert zwar auch hier wieder nicht lange, bis von irgendwo her ein Hirte kommt. Er bittet uns um Wasser und schaut dann zufrieden vor sich hin summend zu, was Martin da an seinem Auto rumwerkelt. Kurz vor Sonnenuntergang zieht er freundlich winkend weiter.

Auch für die weitere Strecke ist es teilweise eine Herausforderung, den richtigen Track zu finden. Teilweise wurde wohl ein neues Dorf gebaut, und die Piste führt nun in einem grossen Bogen rundherum. An anderen Stellen führt der Weg durch eine Weide, die mit Stacheldraht eingezäunt ist. Bei der Durchfahrt liegt der Draht zwar am Boden, einfach so drüberfahren wollen wir aber trotzdem nicht. Also kommen erstmal die Sandbleche in Einsatz. Wenigstens nicht für nix mitgenommen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Einkaufen und Tanken in Tiyakya geht es weiter Richtung Atar. Unser nächstes Camp schlagen wir in einem trockenen Flusslauf auf. Zwar nicht so weit weg vom nächsten Ort, wie wir bei der Anfahrt bemerken. Wir haben aber trotzdem eine ruhige Nacht. Vielleicht auch weil heute das Ende des Ramandan gefeiert wird. Schon den ganzen Tag haben wir gesehen, dass überall in den Dörfern die Kinder gebadet wurden und alle haben ihre schönsten Kleider ausgepackt. Wir sind gespannt, ob sich nach Ende des Ramadan für uns etwas ändert.

Eine wirkliche Einschränkung war der Ramadan bisher nämlich nicht für uns. Mittagspause machen wir eh irgendwo in der Natur, dort interessiert es niemanden, dass wir tagsüber essen. In den grösseren Touristenorten in Marokko waren durchaus auch Mittags Restaurants geöffnet. Einzig in der Westsahara war wohl noch mehr tote Hose wie sonst. In Boujdor hatten wir sogar fast etwas Mühe, ein offenes Restaurant zu finden. Als wir endlich eines gefunden hatten, gab es einfach das, was grad noch da war. Die typische Ramadansuppe, ein Omelett für jeden, Datteln, Brot und Tee. In vielen Restaurants wird der Ramadan auch zum Renovieren genutzt und sie bleiben den ganzen Monat geschlossen. Wir freuen uns aber auf jeden Fall darauf, auch mal tagsüber in ein Café sitzen zu können und dem Treiben zuzuschauen.

Für uns geht es weiter Richtung Atar. Da wir auf der neuen Teerstrasse gut vorankommen (obwohl die Strasse immer mal wieder durch Sanddünen eingenommen wird), haben wir uns spontan dazu entschieden, noch eine 200 Offroad-Kilometer Schlaufe anzuhängen und über den Tifoujar-Pass zu fahren.

Ein guter Entschluss, denn ich weiss ich wiederhole mich, die Landschaft ist wiederum grandios. Auch wenn es durch die vielen Kilometer in tiefsandigen Flussbeeten schon recht anstrengend für Mensch und Maschine ist.

Teilweise führt der Track durch Felder mit zwar kleinen aber recht fiesen Sicheldünen. Einmal nicht aufgepasst und falsch abgebogen und wir trohnen oben auf einer Düne und müssen buddeln. Pfffft… Aber irgendwann sind alle Schwierigkeiten gemeistert und wir schlagen unser Nachtlager an einem tollen Platz in einem Canyon auf und geniessen den etwas verfrühten Feierabend. Das ist denn auch der bis jetzt wohl ruhigste Platz der ganzen Reise. Nicht mal eine Ziege oder ein Esel sind zu hören. Toll!

Nun stehen «nur» noch die letzten 150 und nicht minder anspruchvollen Kilometer bis nach Atar auf dem Programm.

Mauretanien Teil 2

Nachdem wir uns den ganzen Tag über die letzten 150 Kilometer durch tiefen Sand und über steinige Abschnitte gekämpft haben, kommen wir endlich gegen 18 Uhr in Atar an. Nur noch durch die Stadt fahren bis zum Camping Bab-Sahara. Das wäre zumindest der Plan gewesen. Leider entscheidet sich ein Esel am Karren aber plötzlich, nach Links auszubrechen und läuft voll in den Gegenverkehr rein. Trotz Vollbremsung erwischt ihn Martin. Fazit: Auto hat eine Beule im Kotflügel und eine verzogene Motorhaube. Der Esel steht zwar wieder auf, aber leider nur noch auf drei Beinen. Shit, armes Tier. Natürlich grad riesen Tumult um uns rum. Ein älterer Herr, der recht gut französisch spricht und alles gesehen hat, versichert uns zwar, dass Martin nicht schuld ist und macht das auch lautstark allen klar. Wir versuchen da wegzukommen in dem wir sagen, dass wir nichts wollen für den Schaden am Auto. Und der arme Esel ist nicht Martins Schuld. Es wird trotzdem die Polizei geholt, denn hier in Mauretanien mache man alles korrekt. Der Polizist, der eigentlich von Anfang an schon dabei ist, sich aber mittendrin umzieht und plötzlich eine Uniform anhat, ist aber ein bisschen hilflos, was er denn nun machen soll. Iiiiirgendwann nach viel warten und rumtelefonieren kommt dann einer mit einem Massband und erstellt eine minutiöse Skizze. Nach einigem Hin und Her werden wir dann endlich erstmal entlassen. Mit der Anweisung, am nächsten Tag um neun Uhr auf dem Polizeiposten zu erscheinen, um alles aufzunehmen. Na denn. Ziemlich übermüdet beziehen wir Quartier auf dem Campingplatz. Just, der Besitzer ist offenbar eine richtige Institution hier. Praktisch jeder, der mit dem Offroader durch Afrika fährt, macht bei ihm Halt. Dies ist denn auch das erste Mal seit einer guten Woche, dass wir andere Touristen in Mauretanien sehen. Auch mal wieder schön, sich bissel austauschen zu können. Aber noch viel schöner ist natürlich die Dusche!

Wir entscheiden uns, dass ich mit meinem fliessenden Französisch *räusper* Martin als Dolmetscherin begleite. Caro und Marcel bleiben derweil auf dem Camping und kümmern sich um Wäsche und sonstiges Haushaltzeugs. Pünktlich um neun sind wir auf dem Posten und oh Wunder, der Besitzer vom Esel kommt auch gerade an und der Polizist von gestern ist auch schon da. Diese Pünktlichkeit hätte ich jetzt nicht erwartet. Aaaaaaber der Chef, der fehlt noch. Der wird nun erstmal angerufen und es heisst warten. Ein Bett wird kurzerhand auf die Veranda gestellt, damit wir uns setzten können und irgendwann wird sogar noch Tee und Brot gereicht. Doch gut ist Ramadan vorbei. Erst kriegen zwar nur die Männer Tee. Bin ich ja schon ein bisschen beleidigt. Aber nein, es hatte einfach zu wenig Gläser. Nachdem der Polizist ausgetrunken hat, wird das Glas einfach nochmals gefüllt und mir hingestellt. Öhm ja, bin ja nicht heikel…

So gegen zehn taucht dann der Chef auf und bittet uns in sein Zimmer. Wir müssen erzählen, was genau passiert ist. Dann kommt der Eselbesitzer dazu, auch er muss erzählen und mit hundeblick sagt er, dass der Esel tot ist. Haben wir nicht anders erwartet, wir haben gestern schon vermutet, dass er sich etwas gebrochen hat. Armer Esel *seufzg*. Wir beteuern, dass uns das natürlich sehr leid tut aber dass wir nichts dafür können. Das Auto hat schliesslich auch einen Schaden. Ja gut, das sei ja nur eine kleine Sache zum Reparieren, aber der Esel sei schliesslich tot. Nun geht es hin und her. Es gibt zwei Varianten. Entweder der Fall geht vor die Justiz und Martins Versicherung muss zahlen. Oder wir finden eine Einigung mit dem Eselbesitzer. Die Polizei mische sich da natürlich nicht ein, habe aber nichts gegen eine Abmachung und würde dann alles fallenlassen. Das wäre halt sicher praktisch für uns, weil dann könnten wir weiter. Da wir keinen Plan haben, was es für Martin bedeutet, wenn der Fall zur Justiz weitergeht, ist uns natürlich an einer Einigung gelegen. Der Besitzer fordert 3000 Geld (etwa 75 Euro) für den Esel. Zähneknirschend handeln wir einen Preis von 50 Euro aus. Für den Schaden am Auto kriegt Martin natürlich nix. Also gut, Fall erledigt. Denkste. Nun muss der Polizeichef noch den Justizchef (was auch immer das ist) anrufen und fragen, ob das so in Ordnung geht. Also wieder warten. In der Zwischenzeit fällt dem Möchtegernanwalt des Eselbesitzers (wir haben keine Ahnung was der Typ wirklich für eine Funktion hatte, wir nennen in mal so) aber noch ein, dass wir uns versichern müssen, dass der Esel wirklich tot ist. Nein nein nicht nötig, wir glauben das. Doch wir müssen das sehen. Er unterstellt mir dann grad noch, dass ich das nur nicht wolle, da ich zartbesaitet sei und weinen würde. Vollpfosten. Ui mit dem Trottel hätte ich mich streiten können. Aber nein, ich bin brav. Na gut, dann gehen wir halt toten Esel gucken. Wir steigen also zu fünft in das Auto vom Möchtegernanwalt ein, Martin und ich schon etwas blass um die Nase. Nein, nicht wegen der Aussicht auf den toten Esel. Aber in einer mauretanischen Blechkiste durch die Stadt gefahren zu werden, ist wohl das gefährlichste, was wir in diesem Urlaub machen werden. Mercedes hin oder her. Aber nützt ja nix, also los. Also nein moment, zuerst noch kurz zum nächsten Reifenhändler und bissel Luft auffüllen, denn ein Reifen ist platt. Kleines Detail. Aber nun ab zum Esel. Martin und ich haben erwartet, dass wir in einen Schlachthof geführt werden. Nö, wir fahren zur Unfallstelle, da liegt der tote Esel am Strassenrand. Herr Polizeichef fragt, ob wir den Esel gesehen haben. Ja danke haben wir. Also wieder zurück zum Polizeiposten. Dort ist der Anruf vom Justizirgendwas immer noch nicht eingetroffen. Nochmals warten. Irgendwann wird es dem Chef dann doch zu bunt. Wenn ich auf einen Zettel schreibe, dass wir eine Einigung gefunden haben und dass wir ganz freiwillig und ohne dass uns jemand unter Druck gesetzt hat dazu bereit sind, den Eselbesitzer zu entschädigen, dann könnte er uns gehen lassen. Selbstverständlich machen wir das. Bloss weg von hier. Aber halt, dafür braucht es ja Papier. Gibt es hier aber nicht. Also muss der Chef erst einen losschicken, um ein Blatt Papier zu organisieren. Args. Derweil versucht der Polizeichef mit uns etwas Smalltalk zu betreiben. Über Fussball. Voll mein Thema und Martin ist auch nicht grad eine Hilfe 😉. Verzweifelt versuchen wir, ein paar Namen, die uns grad einfallen auszugraben. Aufgabe vor der nächsten Reise, Fussballernamen lernen… Irgendwann ist dann das Papier da. Ich schreibe mit meinem lupenreinen Französisch was auf und muss dem Chef vorlesen, was ich geschrieben habe. Der ist einverstanden, Martin unterschreibt und nach etwas drei Stunden sind wir endlich entlassen. Nur noch das Geld an den Eselbesitzer überreichen und wir haben’s geschafft. Und Martin und ich sind um eine sehr spezielle Erfahrung reicher 😉.

Den Nachmittag verbringen wir mit Putzen, Aufräumen, Nichtstun und vor uns hin schwitzen auf dem Campingplatz. Die Temperatur ist nun tagsüber bei an die 40 Grad. Gemäss Vorhersagt wird es in den nächsten Tagen bis 43 Grad *schwitz*. Als die Hitze am späteren Nachmittag etwas erträglicher wird, machen wir einen Spaziergang auf den Markt. Nebst Brot und Früchten finden wir sogar noch einen echt gut sortierten Supermarkt mit einem auf europäische Touris ausgerichteten Sortiment. Und wem laufen wir sonst noch in die Arme? Natürlich dem Eselbesitzer. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob er sich da einen neuen Esel oder doch lieber ein neues Handy kaufen wollte. Aber immerhin hat er Martin nett mit Handschlag begrüsst. So macht man sich Freunde…

Am nächsten Morgen geht es nach dem Volltanken ab nach Osten. Das Ziel ist ein altes französisches Fort, das vor ein paar Jahren nach einem Attentat aufgegeben worden ist. Gemäss Reiseführer sollten wir je zwei Tage hin und zurück brauchen. Die Fahrt ist zuerst etwas eintönig, bis wir zu einer grossen Salzpfanne kommen. Das war recht cool, da drüberzubrettern. Und schnell fahren musste man gemäss Martin, damit man schneller wie der Rost ist. Oder so… 😉

Weiter geht es entlang eines grossen Wüstengebietes. Mega schön, links die farbigen Sanddünen und rechts die schwarzen Berge.

Gegen vier reicht es uns dann und wir suchen uns einen superschönen Platz hinter einer Düne für unser Camp. Obwohl wir mitten im Nirgendwo sind, dauert es natürlich nicht lange, bis der erste Nomade auf dem Kamel angeritten kommt. Caro darf auf seinem Kamel reiten, dafür bekommt er von uns eine Flasche Wasser, ein Schoggistängeli und eine Schachtel Tee. Und einen Plastiksack, weil Kamel hat keinen Kofferraum. Am nächsten Morgen kommt natürlich auch noch der nächste und fragt nach Geschenken. Na gut, ein Schoggistängeli können wir noch erübrigen. Wundert mich ja schon, woher die jeweils kommen aber nun gut, wenn man so waahnsinnig abgelegen wohnt, dann nutzt man verständlicherweise jede Gelegenheit.

Am zweiten Tag ändert sich die Landschaft dann erstmal etwas. Die Strecke führt durch eine riesige Pfanne und über einen sehr steinigen Pass.

Unsere Autos meistern das gut und oben machen wir uns auf die Suche nach Pfeilspitzen. Die soll man in der Gegend zuhauf finden. Wir finden dann in der Tat ein paar angefangene Exemplare.

Weiter geht es zum nächste Dünengebiet. Der Track geht eigentlich rechts weg, alle Fahrspuren führen aber links, vermeintlich am Rand der Dünen entlang. Fahren wir mal da. Irgendwie werden die Dünen aber immer höher, es geht zwar gut zum fahren aber nach ein paar Kilometern ist uns dann doch nicht mehr so wohl, dass wir da mitten in den Dünen sind. Erstmal Mittagspause machen und beratschlagen. Wir fahren wieder zurück und suchen einen anderen Weg. Also alle mal drehen und auf der gleichen Spur zurück. Das funktioniert auch ganz gut, bis zum letzten Hügel. Dort ist der Sand in der Spur wahnsinnig weich und ich fahre mich kurzerhand mal schnell fest. Da es wirklich scheisse heiss ist, ist so eine Fahrzeugbergung kein Spass. Erstmal geschlossene Schuhe anziehen, sonst verbrennt man sich grauselig die Füsse. Auch Panja kriegt Mittags Schuhe verpasst, damit sie sich die Pfoten nicht verbrennt. Aber zurück zur Bergung. Kommen die Sandbleche schon wieder zum Einsatz. Luft ablassen und los geht es. Ich komme den Hügel hoch und warte auf Martin. Das dauert dann auch nochmals ein bisschen, bis er oben ist. Aber immerhin kann er seine Sandboards auch mal ausprobieren. Nachdem wir den richtigen Track finden, geht es den Dünen entlang bis zum Fort.

Ein paar Fotos machen und dann ab auf den südlichen Weg zurück. Sehr weit kommen wir nicht, im ersten Flussbett bleiben wir schon wieder stecken. Gepennt, falscher Gang also wieder Buddeln. Pfffffffffffffft. Wenigstens sind wir nun wieder wach und überstehen die Fahrt durch das sandige Tal ohne weiteres Buddeln. Bleibt also etwas Zeit um Pause zu machen und Felszeichnungen zu suchen.

Das Camp schlagen wir in einer kleinen Senke am Rande der Dünen auf. Mal wieder ein super schöner Spot und man glaubt es kaum, die zweite Übernachtung in Mauretanien, ohne zwei- oder vierbeinigen Besuch 😊. Gut nein stimmt nicht ganz, wir sehen sogar einen Wüstenfuchs. Zwar leider etwas weit weg, deshalb gibt es keine Fotos. Aber wir freuen uns trotzdem, dass wir endlich einen gesehen haben.

Tag drei führt uns zum Auge Afrikas. Auf Google Maps ist es gut zu sehen, vor Ort sieht man ohne Drohne aber nicht allzu viel. Wir entscheiden uns deshalb, nicht durch das Auge zu fahren, da es viel Tiefsand hat und man nicht einfach den gleichen Weg wieder zurückfahren kann, falls man nicht durchkommt. Wir umfahren das Auge grossräumig, allerdings ist auch dieser Weg recht anstrengend. Zuerst führt der Track durch nervige Büschelgradfelder, dann durch Steinfelder. Fahrspuren gibt es keine, die ungefähre Richtung einschlagen und einen Weg suchen, heisst die Devise.

Endlich auf einer Piste angekommen, wird es dann aber erst richtig mühsam. Abwechselnd Wellblech und Tiefsand. Beim ersten grösseren Tiefsandfeld schaffen wir es sogar, beide Autos grad nebeneinander zu versenken. Prima. Immerhin wissen mir mittlerweile, wie das mit den Sandblechen funktioniert… Zur Belohnung für die Buddelei, gibt es dann erstmal Mittagessen mit Blick in das Auge Afrikas.

Auf dem weiteren Weg kommen wir an Oudane vorbei. Diese alte Handelsstadt, könnte man besichtigen. Aufgrund der unglaublichen Hitze, lassen wir das aber bleiben und machen uns auf den sehr schönen letzten Abschnitt durch Dünenfelder bis zum wiederum wundervollen Übernachtungsplatz. Auch heute gibt es keinen Besuch in der Nacht und am Rand einer Sanddüne haben wir einen wunderschönen Blick in die Ebene.

Durch diese Ebene geht es dann am letzten Tag. Vorbei an kleinen Nomadendörfern, über sandige Büschelgrasfelder, bis wir plötzlich wieder auf eine offenbar sehr stark befahrene Piste treffen. Wo auch immer die jeweils plötzlich herkommen. Heute sind wir dankbar dafür, denn die sandige Piste ist echt cool zu fahren, wie auf einer Bobbahn, und es geht zügig voran. Bis wir kurz vor Chinguetti wieder durch ein sandiges Qued müssen. Arbeit für die Autos. Vor allem Martins Toyota mag das nicht ganz so gerne.

In Chinguetti angekomme,n werden wir dann sofort von einem Führer und mehreren Frauen belagert. Chinguetti wird als 7. heiligste Stadt des Islam angeschaut und war früher eine wichtige Handelsstadt für die Karawanen. Vor ein paar Jahren wurde die Altstadt unter einer drei Meter dicken Sandschicht ausgegraben. Die Mosche wurde in diesem Zug renoviert, wir dürfen aber nur von der Schwelle aus einen kurzen Blick in den Hof werfen. Eine weitere Besonderheit sind die vielen Bibliotheken. Eine davon besichtigen wir und ein ältere Herr erzählt uns etwas über die Hintergründe und zeigt uns ein paar alte Exemplare der noch erhaltenen Bücher. Wir versuchen seinem Französisch zu folgen und schwitzen derweil vor uns hin, obwohl der Raum eigentlich angenehm «kühl» und im Schatten ist. Anschliessend müssen Caro und ich noch zu ein paar Frauen in ihren Laden. Irgendwie haben sich die Verkäuferinnen selber nummeriert, in der Reihenfolge wer zuerst beim Auto war. Aisha ist Nummer 1, Leila Nummer 2. Problem ist, Caro will nix von Verkäuferin 1, ihr gefällt ein Armband von Verkäuferin 3. Das geht aber erst nicht, weil die eben erst an 3. Stelle drankommt. Riesenchaos und nachdem wir dann doch etwas Kleines gekauft haben, müssen wir fast die Flucht ergreifen. Ich verstehe ja, dass die Frauen nur versuchen Ihre Familien zu ernähren und das mit dem Tourismuseinbruch in Mauretanien sicherlich alles andere als einfach ist. Aber nervig ist es halt trotzdem.

Da wir alle ziemlich müde und überhitzt sind, entscheiden wir uns, nicht die Offroadstrecke nach Atar zu nehmen, sondern der Piste zu folgen. Da büssen wir allerdings erstmal mit 80 Kilometern übelstes Wellblech. Ürks.

Aber was macht man nicht alles für die Aussicht auf einen ruhigen Nachmittag auf dem Campingplatz mit Dusche und leckerem Nachtessen. Das haben wir uns wirklich verdient, bevor es morgen auf die berühmtberüchtigte Erzeisenbahnstrecke geht. Wir sind gespannt…

Entlang der Erzeisenbahn zurück nach Marokko

Vollgetankt und mit aufgefüllten Wasservorräten machen wir uns auf den Weg Richtung Erzeisenbahn. Wir sind alle sehr gespannt darauf, was uns hier erwartet. Denn im Vorfeld haben wir gelesen, dass die Strecke in diesem Jahr in ausgesprochen schlechtem Zustand sein soll und dementsprechend ausgesprochen schwierig zu fahren. Hm…

Die ersten 100 Kilometer führen uns auf einer guten Teerstrasse nach Norden. Kurz vor den Gleisen geht es dann links weg. Für die nächsten 400 Kilometer werden wir, mit einer Ausnahme, immer südlich von den Gleisen bleiben. Denn die Bahnstrecke führt relativ nahe entlang der Grenze von Mauretanien und Marokko. Und dort wurde in Trump Manier ein kilometerlanger Sandwall errichtet, der mit Landminen versehen ist. Und nein, da will man nicht in die Nähe kommen.

Nach den ersten paar Kilometern machen wir ganz in der Nähe der Gleise Mittagspause. Und wir haben Glück, soeben kommt der Zug.

Die Erzeisenbahn ist mit einer Länge von 2.5 Kilometern der längste planmässig verkehrende Zug der Welt. Wir haben einmal mitgezählt, vier Loks und an die 180 Wagen hingen da dran. Der Zug bringt Eisenerz von den Abbaugebieten in der Wüste über 600 Kilometer bis zum Verladehafen am Meer. Drei Mal in der Woche wird auch ein Passagierwagen angehängt und sogar Autos werden darauf transportiert. Wir haben uns aber für das selber fahren entschieden.

Nach dem Mittagessen wartet das erste grosse Tiefsandfeld auf uns. Und ja, der Sand ist tief und die Autos müssen ziemlich arbeiten. Wir fahren uns aber nie fest. Nur die Autos kriegen ein bisschen gar fest heiss. Wir haben uns immer gewundert, ob die Temperaturanzeige bei uns überhaupt funktioniert, da die Nadel noch nie über die Hälfte geklettert ist. Aber ja, sie funktioniert und kann sogar bis kurz vor rot gehen. Oups. Motorhaube auf und abkühlen lassen. Weiter geht es dann ein bisschen gemächlicher und bald ist das Tiefsandfeld überstanden.

Kurze Zeit später überqueren wir doch für einmal die Gleise (keine Angst, da ist die Grenze noch weiter weg 😉) um zum drittgrössten Monolithen der Welt, dem Ben Amira, und seiner kleinen Schwester Ben Aisha zu kommen. Bei Ben Aisha sind seit einem Festival vor ein paar Jahren Kunstwerke aus Stein zu bewundern.

Der grosse Bruder Ben Amira könnte offenbar auf mehreren Kletterrouten bestiegen werden. Wir suchen uns in seinem Schatten ein gemütliches Plätzchen und versuchen, uns nicht allzu sehr von den ganzen Fliegen verrückt machen zu lassen. Und jesses ist das mal wieder heiss. Selbst nachts kühlt es kaum ab und wir schwitzen in den Dachzelten vor uns hin. So langsam aber sicher fange ich an, von Schnee zu träumen.

Am nächsten Tag wollen wir so weit wie möglich kommen und wir stellen uns deshalb auf einen laaaangen Tag ein. Schlussendlich wird es dann aber gar nicht so schlimm, denn wir kommen erstaunlich gut voran. Nur ein grösseres Sandfeld mit Tiefsand ist zu bewältigen. Durch unsere Tiefsanderfahrung der letzten Tage aber ein Klacks für uns. Der Rest der Strecke ist gut zu fahrende Piste. Wir können also das Theater um den Zustand der Strecke so überhaupt nicht nachvollziehen. Aber da sieht man es mal wieder, jeder hat ein anderes Empfinden was Strecken und deren Schwierigkeiten anbelangt.

Ziemlich viel Eisen liegt überall rum

Die letzten angepeilten Dünenfelder erreichen wir am späteren Nachmittag und da findet sich nochmals einen superschönen Campspot. Mauretanien lässt uns also auch am letzten Abend nicht im Stich. Der einzige Wehrmutstropfen? Es windet wie Sau und bläst uns den Sand um die Ohren und auch sonst überall hin. Tja, man kann nicht alles haben.

Das schöne am Sandsturm sind die Sonnenuntergänge

Nun ist er da, unser letzter Tag in Mauretanien. Fühle mich ja schon ein bisschen wehmütig, auch wenn noch fast drei Wochen Marokko vor uns liegen. Es fühlt sich ab sofort aber definitiv als Heimweg an. Aber zuerst muss mal wieder die Grenze bewältigt werden. Das dauert zwar auch fast zwei Stunden, ist aber eigentlich soweit unkompliziert. Ausser dass mein Länderaufkleber SEHR genau inspiziert wird. Denn für Marokko gibt es die Westsahara ja gar nicht. Deshalb sind streng genommen Karten und Aufkleber verboten, in denen die Grenze eingezeichnet ist. Mein Aufkleber hat zum Glück keine Grenze. Aber es waren zwei autonome Grenzgebiete eingezeichnet. In weiser Voraussicht habe ich die schon vor ein paar Tagen weggegrübbelt. Ein guter Entscheid, denn obwohl die zwei Beamten lange diskutieren, können sie mir offenbar nix und der Kleber darf bleiben.

Im Niemandsland

Da Marokko nach dem Ramadan die Zeit eine Stunde vorgestellt hat, erreichen wir das Hotel in Daklah dann aber doch erst spät. Es reicht gerade noch für eine Dusche. Dafür gibt es ein wirklich mega leckeres Abendessen in der Villa Daklah, auf der Terrasse direkt am Meer. Haben wir uns verdient!

Das Moto der nächsten Tage: Kilometerfressen. Denn wir müssen wieder durch die Westsahara durch, um in den Süden von Marokko zu kommen. Aber die Strasse ist gut zu fahren, teilweise sogar sowas ähnliches wie eine zweispurige Autobahn und wir kommen soweit gut voran.

Die einzige Abwechslung sind die diversen Schiffswracks, die vor der Küste auf Grund gelaufen sind.

Auf dieser Fähre sollen sogar die Autos noch drauf sein

Die erste Nacht können wir in Llayoune auf einem Parkplatz direkt am Meer mit Zugang zu Toilette und Dusche übernachten. Nix luxuriöses aber ausreichend. Und ein wunderschöner Sonnenuntergang gibt es noch gratis dazu. Aber jesses war das ein Trubel am Strand. Keine Ahnung, ob aktuell grad Frühlingsferien sind im Marokko aber auf jeden Fall hat es gewimmelt von Familien mit Kindern. Da werden kann dutzende Zelt direkt am Strand aufgebaut und es wird darin gekocht und im Meer gebadet.

Weiter geht es zur letzten Mammutetappe. Da wir Mittag endlich mal wieder durch einen Ort fahren, gibt es sogar ein sehr leckeres Mittagessen. Zur Auswahl steht Tajine mit Poulet oder gegrillter Fisch. Braucht man wenigstens nicht ewigs für die Entscheidung. Etwas ähm ja speziell ist vielleicht, dass nebendran grad der Metzger ist und die ganzen toten Viecher von der Decke hängen. Da könnte man sich Fleischspiesse bestellen, die dann grad auf dem bereitstehenden Grill gebraten werden. Frischer geht wohl kaum aber ich bleibe bei der Tajine. Während des Essens kommt grad noch eine Ladung mit Schafnachschub an. Gewöhnungsbedürftig für uns aber so isses halt.

Da wir gut vorwärtskommen und schon nachmittags in Tan-Tan sind, entscheiden wir uns noch in den nächsten Track einzusteigen. Ein guter Entscheid, denn wir finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz in den Bergen. Caro und Marcel machen noch einen Spaziergang auf den nächsten Hügel und ich backe einen Kuchen. Denn Caro hat morgen Geburtstag und das muss natürlich gebührlich gefeiert werden. Gut, der Kuchen ist jetzt nicht soooo hübsch geworden, aber schliesslich zählt ja die Geste 😉.

Zur Geburtstagsfeier am nächsten Morgen kommen dann noch ein paar Dromedare vorbei. Normalerweise sind die recht scheu und kommen einem nicht zu nahe. Aber diese Gruppe ist recht neugierig und einen kann ich sogar an der Nase streicheln. Nach dem gemütlichen Frühstück mit Geburtstagskuchen geht es weiter auf der Piste Richtung Assa. Unser Ziel ist der Campingplatz in Icht, auf dem wir mit Mark schon einmal waren. Denn wir wissen, da gibt es leckeres Essen. Irgendwie haben wir aber die Piste etwas unterschätzt. Die Fahrt ist zwar schön, die Kilometer wollen nicht weniger werden.

Deshalb ist es fast schon halb acht, als wir endlich beim Camping ankommen. Aber immerhin können wir trotzdem noch ein Abendessen bestellen. Also ab unter die wohlverdiente Dusche und dann lecker Fleischspiesse mit Pommes essen. Danke Caro nochmals für die Einladung!