Litauen und Polen

Nach dem erholsamen Strandnachmittag verlassen wir heute Lettland. Schon nach wenigen Kilometern überqueren wir die Grenze wiederum ziemlich unspektakulär. Auf dem Weg machen wir Halt bei einem Nationalpark um eine kurze Wanderung zu einem Aussichtsturm zu machen, von dem man auf die bekannte kurische Neerungen sieht, die wir aus Zeitmangel leider auslassen müssen. Aber nach der Reise ist ja bekanntlich immer vor der Reise! Der Wanderparkplatz ist heute aber Schauplatz eine Windsurf Wettkampfes. Überall wuseln Menschen in Neoprenanzügen herum. Wir stellen die Autos an die Strasse und laufen trotzdem zum Turm. Dieser stellt sich dann zwar eher als Türmchen heraus und die Nerungen sind schon seeeehr weit weg. Aber immerhin sehen wir ein paar Windsurfer vorbeiflitzen und Eva hat einmal mehr eine Drohne zu bewundern.

Unsere Route führt uns am Ufer der Memel entlang. Unterwegs halten wir bei einer alten Opferstätte, von der aus man an das anderes Ufer, also nach Weissrussland sieht. Über eine lange Treppe kann man bis an den Fluss runterlaufen. Allerdings sind alle ausser Marcel grad zu faul dafür. Ansonsten verläuft der Tag recht ereignislos. Die Strasse kurvt dem Fluss entlang und führt durch hübsche kleine Ortschaften. Als Übernachtungsplatz finden wir einen hübschen Campingplatz im Honeyvalley, den wir fast für uns alleine haben. Man merkt, das Wochenende ist vorbei. Marcel und Martin machen noch einen Besuch im Schloss Panemuné, während Caro und ich schon mal den Campingplatz einwohnen. Beim abendlichen Spaziergang mit Panja an die Memel, erspähe ich noch einen superschönen Stellplatz direkt am Fluss. Mal gucken, wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin. Markiert ist er auf meiner Karte jedenfalls schon mal.

Am nächsten Morgen halten wir auf dem Weg nochmals beim Schloss, damit Caro und ich es zumindest noch von aussen anschauen können und machen einen Spaziergang einmal rundherum.

Nachdem wir in einem typischen litauischen Supermarkt eingekauft haben, geht es weiter auf hübschen TET Wegen, bis wir wieder auf Asphalt wechseln, damit wir noch etwas Strecke machen können.

Denn die Zeit läuft, in drei Tagen werden wir in Berlin erwartet. Einen Halt bei einem über 50 Meter hohen Aussichtsturm in der Nähe von Bristonas, lassen wir uns aber natürlich nicht nehmen. Die Aussicht auf die Memel und die umliegenden Dörfer muss zwar mit 340 Stufen hart erarbeitet werden, lohnt sich aber sehr!

Unser Nachtlager schlagen wir auf einem tollen kostenlosen Zeltplatz an einem idyllischen See in der Nähe von Merkines auf. Das glasklare Wasser und die angenehmen Temperaturen locken sogar Eva ins Wasser. Nachdem wir ausgiebig geplanscht haben, grillieren wir unsere Fleischvorräte. Mittlerweilen sind auch alle badenden Einheimischen abgereist und Marcel und ich setzen uns mit unseren Stühlen auf den Steg und geniessen den idyllischen Abend bei einem guten Buch. Denn leider wissen wir, dass es dies wohl gewesen sein wird mit dem guten Wetter.

In der Nacht fängt es, wie das Wetterapp vorhergesagt hat, an zu schütten wie aus Kübeln. Zum Glück gibt es auch hier einen überdachten Tisch, damit wir immerhin im Trockenen frühstücken können. Das Dachzelt klatschnass zusammenzuklappen, bleibt uns leider nicht erspart. Caro und Martin waren schlauer und haben von Anfang an im Auto geschlafen. Eigentlich wollten wir noch einen Aussichtsturm und die Burghügel bei Merkines besteigen. Denn gestern sind wir an vielen dieser Hügel, die durch lange Treppen erschlossen werden extra vorbeigefahren. Bei dem Wetter lassen wir das aber sein und fahren lieber noch ein paar Waldtracks.

Dann verlassen wir Litauen in Richtung Polen. An der Grenze werden wir mal wieder kontrolliert. Wir werden nach unseren Ausweisen gefragt und halten ihm die ID unter die Nase. Ja sei o.k. Dann kommt ein zweiter und bläfft uns an, ob wir denn keine Pässe dabei hätten. Äh doch haben wir. Also dann, Pässe zeigen. Na gut. Warum auch immer aber egal. Zum Glück habe ich immer beides dabei. Caro und Martin wurden zu einem zweiten Häuschen geschickt, da sie nur IDs hatten. Der nettere Herr hat sich aber nur nochmals sie IDs angeschaut und uns dann weitergeschickt. Häh? Was auch immer dem über die Leber gelaufen ist. Na ja egal, welcome to Poland.

Unser Ziel für heute ist das ehemalige Führerhauptquartier Wolfsschanze. Die zerstörte Bunkeranlage, die von der Natur zurückerobert wird, kann mit einem informativen Audioguide besichtigt werden. Da man auf dem Parkplatz übernachten darf, nehmen wir uns zwei Stunden Zeit für den Rundgang. Irgendwie sehr surreal, wenn man die gleichen Wege läuft wie die Personen, die hier Entscheidungen getroffen haben, die so vielen Menschen so unsägliches Leid gebracht haben. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie ich das finde, dass man hier überhaupt Führungen anbietet. Auch wenn es wichtig ist, dass dieses Kapitel nicht vergessen geht. Es gibt sicher auch Leute, die diese Anlage nicht als Mahnmal sondern als Denkmal betrachten. Schwierig…

Die Nacht ist dann eher kurz. Weit nach Mitternacht bekommen wir noch einen Nachbarn mit einem Wohnmobil, dass nach der Ankunft zuerst mal umgeräumt wird. Dann wird natürlich auch noch geduscht. Args. Um sechs Uhr morgens stehen dann die anderen Nachbarn im Zelt bereits wieder auf und eine andere Dame muss genau jetzt ihr ganzes Geschirr abwaschen. Also ehrlich. Na ja, das ist leider das Los des Campers. Vielleicht sollte ich mir auf solchen Plätzen doch mal überlegen, mit Ohropax zu schlafen. Wäre besser für meine Laune ;-).

Am Morgen fahren wir nochmals etwas Überland. Mal über Sandwege, dann Kopfsteinpflaster und besonders unangenehm über eine Art Panzerpiste. Meine Güte das war ein Gerüttel. Wellbleck 2.0 sozusagen!

Kaum haben wir wieder Asphalt unter den Rädern müssen wir stoppen. Irgendwas tönt komisch. Aussteigen und ach du Schreck, uns steckt ein riesen Nagel im Rad. Wenigstens kommt Martins Würth Koffer so endlich mal zum Einsatz. Zum Glück war der Nagel aber gebogen und ist deshalb nur im Profil gesteckt. Uff. Rausziehen und weiterfahren.

Da wir immer noch viel Strecke vor uns haben, nehmen wir jetzt die Autobahn in Richtung polnische Ostseeküste. Eigentlich wollen wir noch in den Nationalpark mit den hohen Sanddünen. Allerdings lesen wir dann, dass die Dünen recht weit vom Parkplatz entfernt sind und der Besuch doch einige Zeit beansprucht. Da es nun auch wieder anfängt wie aus Kübeln zu schütten, lassen wir das sein und suchen uns einen Camping. Heute haben wir echt Glück und finden einen kleinen neu gebauten Wohnmobilstellplatz mit super Infrastruktur (das Foto ist natürlich vom nächsten Morgen…).

Wir flüchten uns auf die gedeckte Terrasse und genehmigen uns wettergemäss ein echtes Schweizer Käsefondue. Ein würdiger Abschluss für unsere gemeinsame Reise. Denn morgen treffen wir unsere Offroad Freunde in der Nähe von Berlin und verbringen ein gemeinsames Wochenende.

Fazit

Die baltischen Länder haben uns unglaublich gut gefallen. Fahrerisch zwar keine grosse Herausforderung (zumindest auf unserer Route und im Sommer) und teilweise für meinen Geschmack landschaftlich eher ein bisschen «langweilig» durch den vielen Wald. Aber die Wanderungen, Campmöglichkeiten und natürlich auch die Strände sind einfach nur grossartig. Hier möchte ich unbedingt nochmals hin mit ganz viel Zeit, um einfach mal ein bisschen an einem schönen Platz «zu sein». Ich weiss ich weiss, das sagen wir gerne mal nach unseren Reisen. Irgendwie möchten wir einfach immer viel zu viel sehen, wenn wir unterwegs sind. Na wer weiss, vielleicht schaffen wir das, wenn wir mal (noch) älter sind… 😉

Lettland

Nach der abwechslungsreichen Wanderung im Sooremaa Nationalpark und einem Mittagshalt neben einer wunderschönen Kirche, geht es für uns weiter in Richtung Lettland.

Man muss schon fast aufpassen, dass man den Grenzübertrtritt nicht verpasst. Die Landschaft verändert sich denn natürlich auch nicht wirklich. Und trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass wir in einem anderen Land sind. Es gibt zwar immer noch viele sehr schicke und gepflegte Häuschen. Aber in eingen Region sehen wir doch vermehrt fast verfallene Behausungen, die noch bewohnt werden. Ausserdem ist die sowietische Vergangenheit vermehrt sichtbar in Form von verfallenen militärischen Einrichtungen und Gedenkstätten. Ausserdem müssen wir uns von den tollen RMK Plätzen verabschieden, solche finden wir hier nicht. Dafür jede Menge Campingplätze.

Unsere Route führt uns nach Sigulda. Offenbar DER touristische Hotspot Lettlands, dank dem nahen Gauja Nationalpark. Wir sind zuerst grad ein bisschen überfordert vom Trubel. Auch der sehr gut ausgestattete Campingplatz direkt an einem hübschen See ist sehr gut besucht. Wir nützen vor allem die Duschen und die Waschmaschine. Leider regnet es seit dem Mittag immer mal wieder mehr oder weniger heftig. Während der Fahrt war das nicht schlimm, aber nun wiird es etwas unangemütlich. Obwohl wir uns unter die Markise flüchten können, wird uns ziemlich bald kalt und wir flüchten uns in die warmen Schlafsäcke. Die Nachttemperatur erreicht wohl kaum noch 1

Am Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus, es hängen zwar immer noch dunkle Wolken am Himmel, aber die Sonne drückt schon bald durch. Muss ich mir doch glatt das SUP schnappen. Wann hat man schon mal einen See ganz für sich alleine. Sogar zu ein paar Schwimmzügen kann ich mich überwinden, schliesslich wartet eine warme Dusche.

So können wir in der Sonne frühstücken und alles noch etwas trocknen lassen. Für das Vormittagsprogramm trennen wir uns. Caro, Martin und Eva machen eine Wanderung in einem Tierpark. Da dort Hundeverbot ist, machen Marcel, Panja und ich eine kleine Wanderung an einem Nebenfluss der Gauja.

Nach dem Mittag treffen wir uns in dem sehr hübschen Örtchen Ligatne. Netterweise hat grad ein Eisverkäufer am Treffpunkt seinen Stand aufgeschlagen, müssen wir natürlich ausnützen. Nach kurzer Beratung werden wir uns einig, dass es heute noch nach Riga gehen soll. Wenn wir schon da sind wäre es doch schade, die Stadt auszulassen.

Der «Riga City Camping» liegt zwar mitten im Industriequartier, auf dem Parkplatz einer Messehalle. Trotzdem ist es recht ruhig und der Hundspaziergang ist auch möglich am Ufer eines Flüsschens, das gerade hinter dem Camping entlangführt. Fussäufig ist man in gut 20 Minuten am Rande der Altstadt. Alles in allem also eine gute Wahl. Die anderen machen sich schon bald auf in die Stadt, während ich mit Panja noch etwas länger am Camping bleibe, damit sie nicht so lange alleine ist.

Als Treffpunkt haben wir ein Lokal der Kette «Lido» vereinbart, ein Tipp von Janniks «Schwiegermama in spe». Für uns ein eher ungewohntes Konzept, denn das Lokal funktioniert wie eine Kantine. Man stellt sich in die laaaange Schlange, zapft sich sein Getränk (was beim Bier aufgrund des Unvermögens einiger Zapfwilligen eeeeewigs dauert) und zeigt dann auf die landestypischen Speisen, die man haben möchte. Bei mir gab es Hackbraten mit Nüdeli an einer Art weisser Bolognaisesauce und einen sehr leckeren Randen-Kartoffelsalat, bei dem ich aber beim besten Willen nicht herausgefunden haben, womit dieser gewürzt war. Caro hat dann noch aus dem vollen Geschöpft und uns eine Auswahl vom Dessertbuffet gebracht. Alles meeega fein! Desserts können sie hier sowieso. Hejejej haben wir schon leckere Kuchen gehabt hier!

Nach dem Essen ging es für Eva dann ab Richtung Camp, während Marcel und ich noch durch die Strassen flaniert sind. Riga ist wirklich eine wunderschöne Stadt. An jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Ausserdem ist es abends selbst im touristischen Zentrum überhaupt nicht überlaufen.

Auf dem Rückweg ins Camp machen wir Halt im Nachbarhotel, denn die haben eine tolle Rooftopbar mit Sicht auf den Fluss und die Altstadt. Da gönnen wir uns natürlich einen wirklich ausserordentlich feinen Drink. Irgendwie fruchtiger Wodka und was weiss ich noch was alles. Sehr fein.

Wenn wir schon in Riga sind, möchten wir noch etwas mehr davon sehen. Auf dem Plan steht die grosse Markthalle. Da dies Distanzmässig doch ein bisschen weit zum Laufen ist, rufen wir uns ein Bolt. Der Fahrer weigert sich aber, Eva ohne Kindersitz mitzunehmen. Da wir das schon befürchtet haben, schwenken wir um auf Plan B. Anstatt Marcel bleibt nun Caro zurück und nimmt nebst Eva auch noch Panja mit auf den Spielplatz. Die Markthalle ist riiiiiiiesig und es gibt alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann. Vor allem Fisch in allen Formen und Farben aber auch Fleisch. Hier wird «von Bone to Tail» noch gelebt.

Anatomiekunde im Schaufenster sozusagen. Nachdem wir uns sattgesehen haben, laufen wir nochmals durch die Altstadt mit Ziel Alberstrasse, die bekannt ist für die Jugendstilbauten. Ich bleibe dabei, eine tolle Stadt.

Unser Weg führt uns an der Russischen Botschaft vorbei (zumindest, wenn ich das mit meinen beschränkten Russischkenntnissen richtig interpretiert habe). Spannend war, dass die Strasse neben der Botschaft ein relativ neues Strassenschild hatte, auf dem «Ukraine Strasse» stand. Ausserdem hing grad vis à vis am Gebäude eines Museums ein riesiges Portrait von Putin mit einem Skelettkopf. Leider ist das Foto nicht so gut geworden. Immerhin wird hier Farbe bekennt!

Da wir gut aus der Stadt rauskommen, fahren wir wieder ein Stück auf dem TET. Teilweise wieder langweilig über Holzerautobanen. Dann aber wieder hübsche Strässchen durch Wald und kleine Ortschaften. Unterwegs machen wir noch einen Stop bei einem Holzbohlenrundweg zu ein paar hohen Sanddünen mitten im Wald. Nur Panja findet die vielen steilen Metalltreppen etwas suboptimal, hat es aber tapfer mitgemacht.

Übernachtet wird auf einem einfachen aber sehr toll gelegenen Campingplatz kurz vor Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt der Halbinsel Kurland. Der Strand vor dem Camping ist wunderschön und lädt zu einem abendlichen Bad ein. Das Wasser ist zwar eher kalt (obwol überall steht, dass das Wasser auf der Seite wärmer ist, da eher seicht, pfffffffffft) und eine warme Dusche zum Aufwärmen gibt es nicht. Sommershower nennen sie das hier.

Am Morgen laufen wir dann den Kilometer bis zum Kap Kolka dem Strand entlang und hüpfen zum Trotz grad nochmals ins kalte aber wunderschöne Meer, bevor es weitergeht.

Heute fahren wir wieder ein Stück des TET und heute sind die Wege wirklich abwechslungsreich, mal Gras, mal Sand, mal Matsch. Oft führt uns der Track durch kleine Feriensiedlungen mit hübschen Häuschen, immer paralell zum Strand.

Plötzlich stehen wir vor einem verfallenen Turm inmitten einer offenbar riesigen Militäranlage, die immer mehr vom Wald verschluckt wird. Der perfekte Platz für einen kurzen Mittagshalt.

Spätef besuchen wir noch den Leuchtturm von Ovisi; 1814 erbaut und somit ältestern Leuchtturm Lettlands. Während die anderen vier da hochklettern, lassen Panja und ich uns am wunderschönen Sandstrand den Wind um die Ohren wehen.

Dass das Wochenende vor der Türe steht merken wir, als wir auf die Suche nach einem Campingplatz gehen. Offenbar ist Camping auch in Lettland unglaublich beliebt. Wir finden Platz auf einem riiiiesigen Campingplatz, der sehr gut besucht ist. Zuvorderst an der Klippe stehen die Zelte dicht gedrängt. Gut, es ist auch wirklich eine tolle Aussicht da vorne. Wir begnügen uns mit einem der hinteren Platz abseits vom Trubel und machen dafür einen langen Abendspaziergang am Strand.

Der Held des Platzes ist für mich aber der Erbauer des Damenklos. Die Trennwände und Türen sind mit gutem Willen knapp Schulterhoch. Man sieht zwar nicht raus, wenn man auf dem Topf sitzt, jeder der vorbeiläuft, sieht aber natürlich auf den Topf. Na ja gut, eigentlich auch nur auf den Kopf…

Weiter geht es über den TET, wieder auf sehr schönen, abwechslungsreichen Wegen. Sand, Waldboden und Matsch wechseln sich ab.

Na ja gut also das mit dem Matsch war dann plötzlich ein bisschen zu viel des Guten. Wir stecken fest, nix geht mehr. Oups. Zum Glück sind wir ja nicht alleine unterwegs und dank dem Einsatz von Martins Seilwinde sind wir rasch wieder draussen. Krönchen richten und weiter geht es.

Unterwegs besuchem wir erneut einen Leuchtturm. Dieser ist noch höher wie der gestrige. Die nette Dame, die die Tickets verkauft, stellt selbst Schmuck her aus Bernstein und zeigt uns faustgrosse Klumpen, die sie hier am Strand findet. Ich schaffe es natürlich nicht, da wieder rauszulaufen ohne ein Paar Ohrringe im Gepäck…

Unser nächster Halt ist bei einer Militärkaserne, die sehr idyllisch am Strand erbaut worden ist. Heute wird ihr das zum Verhängnis, denn die Anlage wird langsam vom Meer verschluckt. Das bietet aber wenigstens tolle Fotomotive.

Die Weiterfahrt führt uns durch Liepaja, einer Stadt mit einer speziellen Geschichte. Der nördliche Teil der Stadt war zu Sowietzeit dem Militär vorbehalten. Im südlichen Teil wurde zwar gelebt, allerdings war auch hier Sperrzone. Diese Zweiteilung sieht man auch heute noch.

Da wir gestern gemerkt haben, wie beliebt Camping in Litauen ist, entscheiden wir uns, heute frühzeitig einen Camping zu suchen. Das war eine gute Entscheidung. Auf dem kleinen Campingplatz Mikjänu ergattern wir den letzten Platz. Der Platzi ist sehr liebevoll gestaltet. Der Besitzer hat offenbar ein Faible für die Fischerei und das Meer. Und obwohl es so voll ist, fühlt es sich nicht unangenehm oder trubelig an. Der wahre Star ist aber der Strand, den man nach einem kurzem Spaziergang durch den Wald erreicht. Hammer. Das Meer ist zwar recht rau, aber das Wasser ist komischerweise wärmer wie noch in der Bucht vor Riga und es macht richtig Spass, durch die Wellen zu hüpfen. Ein toller Tag und ein würdiger Abschluss für unsere Reise durch Lettland.

Estland

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es heute zum ersten Mal ans Meer. Die Quellen sind sich nicht ganz einig, ob es nun die Ostsee oder der finnische Meeresbusen ist. Aber wie auch immer, nach einer halben Stunde Fahrt durch hübsche Wälder und sehr gepflegte Dörfer erreichen wir das Meer endlich. Hier fällt uns das erste Mal auf, wie gepflegt alles ist. Neben einem Leuchtturm steht ein wirklich hübsches und neu renoviertes Café mit grosser Terrasse. Fast schade, kommen wir grad vom Frühstück. Eva bewundert die Bällen äh Wellen und spielt im Sand und Panja geht ihrem Lieblingshobby nach, sich im Sand wälzen.

Der nächste Stopp ist das Viru Moor. Dort steht ein 11 Meter hoher Aussichtsturm, der über einen rund 5.5 Kilometer langen Rundweg über Holzstege erreicht werden kann. Zuerst ist erstaunlich viel los auf dem Weg. Keine Ahnung, wo die ganzen Leute alle herkommen. Nach dem Turm wird es aber ruhiger, da offenbar viele nicht den ganzen Rundweg laufen. Auf dem Weg zurück durch einen typischen lichten Wald mit Moosboden, sind wir dann fast alleine. Erstaunlich finden wir, dass dieser Rundweg, wie auch die ganzen RMK Camps komplett kostenlos sind. Irgendwie haben wir sogar fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass wir als «Ausländer» das auch einfach so nutzen dürfen.

Auf dem Weg zum Camp wollen wir noch einen ehemaligen U-Boot Hafen besuchen. Irgendwie hatten wir dann aber doch nicht so richtig Lust auf Museum. Also schauen wir die Anlage, die eigentlich mehr an einen Lost Place erinnert, nur von aussen an und setzen uns dann in ein gemütliches Café.

Das Nachtcamp schlagen wir auf dem RMK Purekkari telkimisala auf. Das Camp liegt ganz am Ende einer Halbinsel und man hat von vielen Stellen eine tolle Sicht aufs Meer. Zu Fuss kann man noch etwa 1.5 Kilometer bis zum Ende der Halbinsel laufen. Dauert zwar ewig, da man teilweise über Steine hüpfen und sich seinen Weg suchen muss. Aber es lohnt sich. Auch wenn sich die Sonne zum Untergang nicht so richtig zeigt.

Weiter geht es in Richtung Tallinn. Auf dem Weg in die Hauptstadt fahren wir ein kurzes aber sehr schönes Stück des lettischen TET (Trans European Trail). Der TET ist ein Netz von Tracks, die vor allem für Endurfahrer gedacht sind. Da bereits Mittag ist, als wir in Tallin ankommen, suchen wir uns erstmal eine Imbissbude in neu renovierten Hafenbereich. Auch hier alles sehr «fancy» gemacht. Aber irgendwie tue ich mich ein bisschen schwer damit, ob ich das nun gut finde oder nicht. Diese Gebiet sind zwar fancy uns stylisch, aber halt auch sehr austauschbar. Man merkt kaum, ob man nun in Tallinn oder in Barcelona ist. Aber das Essen war sehr lecker und die Aussicht auf den Yachthafen haben wir natürlich auch genossen.

Auf dem Weg zurück zum Schifffahrtsmuseum kommen wir schon an den ersten Schiffen vorbei. Die Schiffe kann man fast alle besichtigen, ohne einen Eintritt ins Museum lösen zu müssen. Wieder sind wir erstaunt, was hier alles frei zugänglich, nicht irgendwie abgesichert und trotzdem weder versprayt noch zugemüllt ist. Hm… Die anderen haben das sehr interessante Museum besucht. Und ich habe mir Panja, einen Stuhl und ein Buch geschnappt und die Kreuzfahrtpassagiere von «Mein Schiff» beobachtet, das auf der anderen Seite vor Anker liegt.

Als alle wieder im Auto sitzen, geht es noch eine gute Stunde bis zu einem weiteren genialen RMK Platz. Der ist ja mal so ganz nach meinem Geschmack. Direkt hinter Dünen, nur ein paar Meter zum langen Sandstrand. Schööööööööööööööööööööön. Natürlich musste ich unbeingt noch ins Meer hüpfen. Wind und Wellen hin oder her. Die anderen haben zwar gekniffen aber egal. Das Wasser ist recht angenehm und im Vergleich zum Mittelmeer auch fast nicht salzig. Jetzt weiss ich auch, warum Panja hier dauernd das Wasser trinken will.

Nach einer sehr angenehmen Nacht bei offenem Dachzelt und Meeresrauschen, muss ich am Morgen natürlich nochmals ins Meer hüpfen. Da wir der Insel Sarremaa einen Besuch abstatten wollen, ist unser Ziel für heute, möglichst nahe an den Fährhafen zu kommen. UND einen Campingplatz zu finden mit Duschen, denn das wäre mal wieder nötig. Wir folgen dem TET Track, der uns durch wirklich tolle Wälder und vorbei an riesigen Windkraftanlagen führt.

Nach dem Mittagessen gibt es noch einen kurzen Halt in einem Nationalpark. Wir laufen die rund 1.5 Kilometer bis zu einem Aussichtsturm. Leider ist dort ausser Kühe nicht wirklich was zu sehen. Bilder unterwegs zeigen uns aber, dass es schon sehr eindrücklich sein muss, wenn alles um den Turm sich in einen riesigen See verwandelt. Nun ist es dafür leider zu trocken. Da nützt es auch nix, dass es heute immer mal wieder nieselt oder sogar kurz aber heftig regnet. Müssen wir halt nochmals wiederkommen, wenn mehr Wasser liegt.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker bereits um 7 Uhr. Denn wir haben zum Glück noch rechtzeitig festgestellt, dass die Fähre nach Sareemaa wohl am Samstag sehr beliebt ist. Unsere Wunschverbindungen sind ausverkauft, also buchen wir noch schnell zwei Tickets für die Fähre um 9:40. Da schon wieder eine dunkle Regenwolke im Anschmarsch ist, geht das Zusammenräumen ausserordentlich fix und wir sind frühzeitig am Hafen. Auch hier wieder alle top modern. Die Schranke öffne sich bereits, weil sie unser Kennzeichen erkannt hat und uns wird die richtige Linie angezeigt. Wow. Die Fähre wirkt denn auch sehr neu, hat ein schönes Restaurant und einen Spielplatz. Obwohl die Überfahrt nur eine halbe Stunde dauert, lässt es sich Eva natürlich nicht nehmen, diesen auszukundschaften.

Auf Sareemaa angekommen, wagen wir uns direkt wieder auf einen TET Track. Und landen irgendwie mitten im Matsch. Jösses, hier möchte ich also nicht langfahren, wenn es länger geregnet hat. Wir kommen zwar gut durch, sauen aber unser Auto einmal komplett ein. Martin hat das irgendwie bits besser im Griff, sein Toyota sieht noch fast jungfräulich aus.

Nach einer Mittagspause am Ende einer Landzunge im Osten der Insel, geht es ganz in den Westen. Obwohl wir zeitweise den TET verlassen, um bissel Strecke zu machen, zieht sich die Strecke ziemlich. Liegt vermutlich auch daran, dass sowohl der TET als auch die normale Teerstrasse grösstenteils durch Wälder führt. Selbst wenn die Strecke auf der Karte fast am Meer entlang führt, ist nichts spannendes zu sehen. Ich glaube wir sind alle froh, als wir endlich am Ende der Landzunge bei einem weiteren Leuchtturm ankommen. Eva dreht ihre Runden in einem Steinlabyrinth, während Marcel mit Panja bis ganz ans Ende der Landzunge läuft. Zur Belohnung gibt es Café und Kuchen auf einer Terrasse mit Meerblick. Nur der Wind ist ein bisschen ein Spielverderber.

Der Plan ist also klar, ein relativ windgeschütztes Camp muss her für die Nacht. So macht das keinen Spass. Eigentlich wären wir zwar alle müde, aber hilft ja nix. Hier wollen wir nicht bleiben. Das angepeilte RMK Camp Veere, das im Osten einer Landzunge liegt und demnach etwas geschützter sein müsste, liegt noch eine gute Stunde entfernt. Dort ist aber weil Samstag irgendwie die Hölle los und es dauert, bis wir uns in ein passende Plätzli manövriert haben. Schlussendlich ist es aber eine gute Wahl, denn nachts ist es komplett ruhig und wir stehen direkt am Meer, das hier allerdings mehr wie ein See wirkt. Nur Baden ist leider nix, ausser für Panja. Denn das Wasser ist voller Quallen. Am Ufer ist ein richtiger Algenquallenglibberteppich. Buäk. Google versichert uns zwar, dass diese Ohrenquallen nicht gefährlich seien, aber wer weiss denn schon, ob sich Google nicht auch mal irren kann.

Am nächsten Morgen werde ich schon um halb sieben wach, da mir die Sonne durch das Fenster direkt auf die Nase scheint. Frechheit! Rausgeguckt, superschönes Wetter und das Meer spiegelglatt vor der Haustüre. Na gut, muss eh aufs Klo, steht ich halt auf und lese ein bisschen am Strand. Stuhl und Buch schon platziert guck ich nochmals ans Ufer. Über Nacht haben sich die Quallen irgendwie verzogen. Es hat zwar schon noch einzelne, aber nicht mehr so einen dicken Glibberteppich. Hmmmm ich habe ja meinen Kopf durchgesetzt und das SUP eingepackt. Eeeeeigentlich, warum nicht? Gesagt getan, alles aus dem Auto gekramt, SUP gepumpt, lange Hosen angezogen und todesmutig durch die paar Quallen gewatet. Nix passiert, uff! Hatte die leise Hoffnung, dass es mitten auf der Buch keine Quallen hat. Denkste. War wie die Schildkrötenwanderung bei «Finding Nemo». Überall waren Quallenstrassen. Ne, da gehe ich also nicht rein. Egal was Google sagt. Paddel ich halt durch die Bucht und geniesse den ruhigen Morgen.

Nachdem die anderen auch aufgestanden sind und wir ein Pancakefrühstück genossen haben (ist schliesslich Sonntag!), verlassen wir diesen wundervollen Platz. Schliesslich gibt es noch viel zu sehen.

Auf der anderen Seite der Bucht finden wir grad einen richtig tollen Track durch den Wald. Die Fahrspuren werden immer schlammiger und es sieht aus wie bei einer Urwaldexpedition. Handy raus und filmen. Cool. Aber ähm sh…, vergessen den Aufnahmeknopf zu drücken. Wuah, sowas dummes aber auch. Anfängerfehler…

Der nächste Halt sind die Klippen von Panga. Nachdem es heute morgen in der Bucht noch eher den Anschein gemacht hat, dass wir an einem grossen See sind, ist hier so richtig Meer. Die Wellen brechen sich weit unten und es führt ein Spazierweg entlang der Klippen. Fast ein bisschen Portugalfeeling. Man könnte noch bis zu ehemaligen Militärbunker laufen, das schenken wir uns aber.

Eva haben es die Spielautos aus Holz angetan, wir Erwachsene plündern den Snackkiosk. Zugegeben, an frittierte Wieneri muss man sich gewöhnen und was mit Dumplings übersetzt worden ist, hat damit so gar nichts zu tun. Wie so kleine Tortellini die mit Brät gefüllt sind und ausfrittiert werden. Sehr lecker. Zum Dessert gibt es noch einen leckeren Schoggimuffin. Was sich als etwas ungeschickt herausstellt, da unser nächster Stopp bei einer kleinen Senfmanufaktur von deutschen Auswanderern ist. Senf probieren nach einem Schoggimuffin ist jetzt ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Ansonsten sind die Tracks leider nicht mehr so spannend wie der erste am Morgen. Mehr oder weniger geradeaus durch den Wald auf Schotter, na jaaaaaaaaaaa. Zum Glück kommen wir schon bald bei einem kleinen, hm wie soll man dem sagen, Heimatmuseum an. Auf dem sehr schön hergerichteten Gelände stehen ein paar Windmühlen und alte Landmaschinen und Traktoren. Gekrönt von einem kleinen Streichelzoo, den Eva aber leider verschläft.

Geplant ist, dass wir heute mal ein bisschen früher Feierabend machen und uns ein Camp an einem Sandstrand suchen. Der erste Versuch ist leider ein ein Fail. Der Strand ist übersäht mit moderigem Schilf, das vor sich hin stinkt. Ausserdem ist das Wasser am Ufer ganz rötlich, vermutlich vor Algen. Buäk, hier möchten wir nicht schwimmen gehen. Nun wissen wir auch, warum so gar nix los ist auf diesem riesigen Campareal. Weiter geht es zum nächsten Strand. Und da haben wir also viel mehr Glück. Nur schon das Gewusel auf dem Parkplatz deutet darauf hin, dass der Strand gut sein muss. Man läuft zwar etwas 300 Meter bis an den Strand, der Weg führt aber durch einen hübschen Wald. Und der Strand ist genial, flach abfallender feiner Sandstrand wohin das Auge reicht. Kein Wunder, ist hier am Sonntag einiges los. Die Wellen sind auch recht hoch und es macht so richtig Spass, da drinnen rumzuhüpfen.

Nun ist der letzte Tag auf Saaremaa angebrochen. Auf dem Weg zur Fähre fahren wir noch durch eine Gegend, wo superschöne Ferien»häuschen» stehen. Viele davon neu gebaut oder wohl kürzlich komplett saniert. Suuuuuper schöne Anwesen. Mit selbstverständlich akkurat gemähtem Rasen. Ich glaube hier in Estland kriegt jeder zum Schulabschluss einen Rasenmäher. Anders kann ich mir das nicht erklären. Habe noch in keinem anderen Land so akkurat gemähte Rasenflächen in diesen Dimensionen gesehen!

Gegen Mittag kommen wir grad noch als letztes Autos auf die Fähre. Glück gehabt. Wie das System genau funktioniert, haben wir zwar nicht ganz gerafft. Man bucht eine bestimmte Zeit, aber wenn man früher kommt, dann lässt einen die Schranke trotzdem rein. Obwohl wir online für dies frühere Verbindung nicht mehr buchen konnten, da ausgebucht. Soll mal einer verstehen. Na egal, hauptsache wir sind drauf!

Da grad Mittag ist, plündern wir noch das wirklich gut ausgestattete Bordrestaurant, bevor es dann teils über den TET Trail und teils über Teerstrassen mehr oder weniger abwechslungsreich bis nach Pärnu geht. Die Stadt gilt als «Sommerhauptstadt» Estlands. Warum weiss ich eigentlich gar nicht, vermutlich weil hier der Tourismus schon seit jeher brummt. Bei der Anreise sehen wir schon vor der Stadt viele neu gebaute, sehr hübsche Häuser. Wir sind uns einig, die würden wir auch nehmen. Wenn denn ein Gärtner und ein Fensterputzer im Kaufpreis mit dabei ist! Auch das Stadtzentrum ist wirklich hübsch gemacht. Wir finden ein Café mit einer tollen Auswahl an Torten, durch die wir uns durchprobieren. Anschliessend schlendern wir durch die hübsche Fussgängerzone. Ich fühle mich ein bisschen wie man Filmset von «Gilmore Girls». Nur die Elefanten, die hier allgegenwärtig sind, passen nicht so recht ins Bild. Gemäss Google war wohl mal ein Zirkus in der Stadt und da die Bewohner sich so darüber gefreut haben, wurde der Elefant quasi Stadttier.

Nun ist es nur noch eine knappe Stunde bis zu unserem Ziel, dem Soomaa Nationalpark. Wir finden wieder ein tolles RMK Camp direkt am Fluss.

Leider fängt es schon bald an zu regnen. Wobei ganz so leider ist das irgendwie doch auch nicht. Denn trotz Regen, werden wir fast von Mücken gefressen. Ich möchte ja gar nicht wissen, wie es hier wäre, wenn es nicht regnet! Wir haben den Platz für uns ganz alleine und nehmen den überdeckten Tisch in Beschlag. Regen hin oder her, ich habe ja ein SUP dabei. Badeanzug an und ab aufs SUP. Spart mir grad die Dusche. Eine Stunde paddel ich über den moorigen Fluss. Sooooo schön, trotz strömendem Regen. Fühle mich fast ein bisschen wie Mogli im Dschungel!

Eigentlich ist der Plan, dass ich am nächsten Morgen nochmals paddeln gehe. Aber irgendwie schläft es sich hier einfach zu gut und so reicht die Zeit dafür nicht mehr. Denn wir wollen den Ingatsi Moorweg laufen. Vom Parkplatz aus führt der Weg zuerst über etwas schlüpferige Holzdielen durch einen Dschungelwald bis zur Moorkante, die fünft Meter höher liegt wie der Wald. Oben auf dem Moor steht dann ein 15 Meter hoher Turm. Von da aus überblickt man die die weite Moorlandschaft. Der Trail läuft noch weiter bis zu den ersten Moorseen, in denen man auch baden könnte. Irgendwie ist es uns dafür aber grad etwas zu frisch. Wir beschweren und aber so gar nicht über den Wind, denn der hält uns die Mücken hier immerhin etwas fern. Im Wald wurden wir noch fast bei lebendigem Leibe verspeist. Es sind nur wenige andere Wanderer unterwegs und so geniessen wir das Moor zeitweise ganz für uns alleine.

Und nun geht es weiter nach Lettland.

Der lange Weg nach Estland

Das Ziel ist klar. Wir möchten möglichst zügig den nördlichsten Punkt unserer Tour erreichen und dann in etwa zwei Wochen bis nach Berlin fahren. Soweit so gut. Die 2400 Kilometer, die Google Maps meldet, lassen uns dann zwar doch kurz schlucken. Aber nützt ja nix, los geht’s.

Unterwegs gabeln wir noch unsere Superreisebuddys Caro, Martin und die kleine Eva auf. Und dann geht es einmal quer durch Deutschland bis kurz vor die polnische Grenze. Und wie kann es anders sein, wenn ich Urlaub habe, es schüttet wie aus Kübeln. Der Regen tut zwar sicher gut, ist aber obermühsam zum Fahren. So kämpfen wir uns Kilometer für Kilometer voran, bis wir dann unser Nachtlagen auf einem tollen Familienbauernhof aufschlagen. Das Camp ist sehr liebevoll gemacht und wir werden freundlich empfangen. Und das Beste, es stehen nur noch zwei andere Camper da, der Regen hört allmählich auf und es gibt ne warme Dusche. Was will man mehr.

Nach einer etwas klammen Nacht und einem nebeligen Morgen zieht es uns zeitig wieder los. Denn es liegen immer noch einige Kilometer vor uns. Die Route führt uns einmal quer durch Polen und wir sind einigermassen erstaunt über die wirklich gut ausgebaute Autobahn und die gute Infrastruktur mit Raststätten. So kommen wir recht gut voran. Nur die Strasse ist über weite Strecken recht eintönig und führt über Kilometer durch eine riesig breite Schneise im Wald.

Unser Ziel ist heute der Biebrzanski Nationalpark. Chat GPT hat uns versichert, dass dort Elche zu sehen sind. Aber irgendwie hat er sich doch getäuscht. Das empfohlene Camp ist zwar sehr schön gelegen und wir sind fast alleine auf der riesigen Wiese. Die angelegten Stege und Aussichtstürme sind aber leider grösstenteils entweder verlottert oder so eingewachsen, dass nichts zu sehen ist. Wenigsten werden wir mit einer supertollen Abendstimmung entschädigt.

Wir wollen am nächsten Tag am frühen Morgen nochmals einen Versuch machen. Das mit dem pünktlich Aufstehen ist bei mir so eine Sachen. 4:15 ist aber auch wirklich viel zu früh. So muss die arme Caro alleine los und ich komme dann fangs eine Stunde später hinterher. Elche sind weit und breit immer noch keine zu sehen. Ein paar Enten und Vögel, damit hat es sich. Aber der Spaziergang tut doch gut nach den langen Fahrten und mit dem Bodennebel entsteht eine mystische Stimmung.

Nach einem gemütlichen Frühstück in der Sonne geht es wieder los. Schon bald erreichen wir mit Litauen unseren ersten baltischen Staat. Wuhu, wieder kann ich etwas von meiner laaaangen «unbedingt machen möchte Liste» streichen. Die Landschaft ist geprägt von unglaublich grossen Getreidefeldern, Mähdreschern mit riiiesigen Mähbalken und überall riesigen Getreidesilos (ja ich weiss, ich weiderhole mich).

Die Autobahn wird leider bald zu einer Hauptstrasse, auf der man mit 90km/h im Sandwich zwischen Lastwagen dahindonnert. Seeeeeehr entspanntes Fahren momol. Im Gegensatz zu anderen überleben wir den Tag ohne Blessuren.

Die Strecke möchte ich also nicht jeden Tag fahren müssen. Ach ja sogar eine super fancy E-Tankstelle finden wir für eine Nachmittagspause. Also das E brauchen wir ja nicht mit unseren Euro 0 Schleudern räusper. Aber das fancy Klo und das verkaufte Eis nehmen wir dann doch gerne. Unser Camp schlagen wir bei einem hübschen kleinen Hof auf, der im Garten ein paar Camperplätze anbietet. Sehr liebevoll gemacht, warme Dusche und, noch wichtiger für mich, Abwaschen mit warmem Wasser inklusive. Ein kleiner Camperheaven!

Fussläufig gibt es sogar einen kleinen Badesee. Gut, zum Baden macht er mich jetzt nicht sooooooo an, aber für einen frühmorgendlichen Spaziergang doch ganz hübsch.

Da die kleine Eva so toll mitgemacht hat, stehen nur noch knapp 500 Kilometer zwischen uns und unserem Ziel, dem Lahemaa Nationalpark. Das packen wir heute noch. Autobahnen gibt es zwar keine mehr auf unserer Strecke aber so eine Art Schnellstrassen. So kommen wir doch recht gut voran. Durch Lettland fahren wir quer durch und checken irgendwie gar nicht, dass wir schon in Estland sind. Denn Grenzübergang haben wir irgendwie keinen gesehen. Ein paar Kilometer vor dem Ziel werden wir dann noch von einer Polizeikontrolle aufgehalten. Und Premiere, ich muss das erste Mal in meinem Leben einen Alkoholtest machen. Wer hätte das gedacht, dass ich dafür bis nach Estland fahren muss! Die Polizisten waren aber sehr nett, wir hätten nix falsch gemacht und seien auch nicht zu schnell gefahren, sie machen Kontrolle wegen illegalen Einwanderungen. Haben in unsere Autos geschaut und unsere Dokumente überprüft, dann durften wir weiter.

In Estland gibt es ein Netz von sogenannten RMK Camps. Das sind Rastplätze, die meist eine Zeltwiese haben aber je nach Camp auch die Möglichkeit mit dem Auto da zu stehen. Es gibt ein Plumsklo, Feuerstellen und überdachte Tische. Und dazu noch gratis Feuerholz. Sehr Tooles Angebot und wir sind schon sehr gespannt auf die weiteren Camps. Heute übernachten wir auf dem RMK Oandu Camp. Eine sehr grosse Anlage auf der auch einiges los ist. Mit den Autos steht man quasi auf dem Parkplatz aber das ist ganz o.k. Da es doch wieder recht spät ist gibt es einen schnell gekochten Stocki mit Würstchen und Spiegeleiern. Und dann werden wir noch von einer Gänsewanderung überrascht. Immer wieder ziehen grosse Gänsegruppen mit viel Gequake über uns hinweg. Ein tolles Schauspiel.

Nun freuen wir uns sehr darauf, was die baltischen Staaten uns in den kommenden Tagen zu bieten haben!

Kroatien

Nach den ereignisreichen Tagen in Bosnien ist uns nach einem Tag Pause auf einem hübschen Camping am Meer. Das stellt sich aber zuerst als gar nicht so einfach heraus. Aus den vielen Küstenorten picken wir uns Biograd na Moru heraus, da es dort mehrere Campings gibt. Wir sind recht erstaunt, wie viel hier im September noch los ist. Erst auf dem dritten Camping haben wir Erfolg und bekommen die letzten zwei Plätze. Und das wohl nur, weil zumindest einer der Platz sehr klein ist. Nur mit viel Zirkeln bringen wir unsere Autos unter. Obwohl der Platz auf den ersten Blick jetzt nicht grad Begeisterungsstürme auslöst, stellt er sich dann doch als Glücksfall heraus. Es ist sehr ruhig, da nur etwa 20 Stellplätze. An uns grenzt ein Olivenhain und durch die Bäume haben wir sogar ein bisschen Meerblick. Der Strandabschnitt ist zwar klein, aber es gibt einen Steg, damit man nicht über die Steine laufen muss, und sogar Liegestühle. Ausserdem führt direkt vom Camping ein Fussweg der Küste entlang. Etwas, das man sonst in Kroatien nicht sehr oft hat. Wir pflänzen den ganzen Tag vor uns hin, geniessen das Baden im Meer und gönnen und ein leckeres Mittagsessen im fussläufig erreichbaren Städtchen. Auch das Wetter spielt mit, tagsüber ist es an die 30 Grad und das Meer noch angenehm warm.

Ich könnte es so zwar noch länger aushalten, aber wir wollen ja noch was vom Land sehen. Also fahren wir weiter Richtung Norden. In der Nähe von Zadar biegen wir auf unseren ersten Track in Kroatien ab. Dieser führt durch eine spektakuläre Landschaft, in der die Winnetou Filme gedreht worden sind. Es gibt sogar eine Gedenktafel an Pierre Briece und der Slovakische Fanclub hat eine Fotowand aufgestellt. Muss glaub die Filme mal wieder schauen, ob ich die Landschaft wiedererkenne.

Wenn wir schon grad da in der Gegend sind, suchen wir auch noch die Stelle im südlichen Velebit Nationalpark auf, an der Jannik und ich vor drei Jahren den Toyota um ein Haar versenkt haben. Wir haben Hilfe gebraucht von ein paar kroatischen Offroadern, um da wieder rauszukommen. So ohne Wasser sieht die Wiese allerdings ziemlich harmlos auf. Aber unsere Bergehölzer liegen also noch da…

Weiter geht es auf einem offenbar wenig befahren und ziemlich rauhen Track wieder vom Berg runter. Marcel glaub mir erst nicht so recht, dass ich das schon mal alleine gefahren bin. Zum Glück gibt es Aufzeichnungen…

Nachdem wir alle ziemlich durchgeschüttelt worden sind, suchen wir das nächste Camp auf bei den Zrmanja Kaskaden. Auch hier sind wir ziemlich erstaunt, wie viel Betrieb herrscht. Der Teil mit Stromanschluss ist gut voll. Wir ergattern uns ein schönes Plätzchen auf der grossen Wiese direkt am Fluss. Jetzt im Sommer sind es nur drei kleine Fälle. Im Frühling stürzt das Wasser auf der ganzen Breite über die Kaskaden. Das Camp vermietet Kanus, damit man den Flusslauf erkunden kann. Auch Touren kann man buchen. Hier könnte man es bestimmt länger aushalten.

Die anderen kneifen, obwohl das Wasser gar nicht mal sooo kalt ist. Also wage ich mich alleine in den super klaren Fluss und schwimme zu den Wasserfällen. Der Weg zurück zum Camp wird dann zwar etwas unentspannter, nachdem beim Wasserfall eine kleine Wasserschlange vor meinen Füssen davongeschwommen ist. Brrrrrrrrrrrr. Bin ja nicht soooo Fan von Gekreucht mit acht oder mit gar keinen Beinen…

Die Autos laufen beide einwandfrei, auch unserer hat sein kurzes Zwischentief offenbar überwunden. Aber unsere Ausrüstung braucht kleine Anpassungen. Deshalb holt Martin seinen heiligen Werkzeugkoffer hervor. Und klein Eva macht sich umgehend daran, die Werkzeuge auf Ihre Funktionalität zu überprüfen.

Nun stehen zwei Tracks auf dem Programm, die ich ebenfalls vor drei Jahren bereits gefahren bin. Der erste führt etwas weiter südlich wieder über den Bergkamm auf die andere Seite. Der Track ist schön, aber nicht mehr so spektakulär wie im Winnetouland. Gegen Ende wird der Weg wieder ziemlich ruppig und ähnelt eher einem Bachbeet. Lustig ist, dass quasi mitten im Bachbeet plötzlich fast zugewachsene Schilder einen Bahnübergang ankündigen. Und prompt steht man im Nirgendwo auf den Bahnschienen.

Da wir zeitlich gut dran sind, machen wir noch einen Abstecher zu einem verfallenen Militärirgendwas. Nicht mal Chat GPT kann uns beantworten, was das einmal war. Kurz vor der «Festung» kommt uns ein Motorradfahrer entgegen. Kaum oben angekommen, hält der gleiche Motorradfahrer neben uns. Was er wohl will, dass er extra umgedreht hat. Er versucht was zu erklären, wir verstehen uns aber nicht. Kurzerhand zückt er sein Handy, spricht mit jemandem und reicht Marcel das Handy weiter. Am anderen Ende ist sein Cousin, der uns auf Deutsch erklärt, dass wir vorsichtig sein sollen und uns keinesfalls ausserhalb des Zaunes und neben der Strasse bewegen sollen. Hier sei noch alles vermint. Das stimmt zwar wohl nicht mehr, denn also ich vor drei Jahren da war, hingen überall noch Warnschilder im Wald. Diese sind nun nicht mehr da und auch auf unserer Karte ist das Gebiet nicht mehr als Minengebiet markiert. Aber egal, mega lieb, dass er sich Sorgen gemacht und uns extra nachgefahren ist! Bei der Gelegenheit mache ich mich noch bitseli schlau und lese, dass Corona offenbar die «Entminung» des Balkans verzögert hat. Bis 2026 sollten aber endlich alle Gebiete in Kroatien minenfrei sein. In Bosnien sieht das leider noch ganz anders aus, da liest man als Ziel 2060. Krass!

Übernachten tun wir auf einem meiner Lieblingscamps, dem Kamp Velebit oder von uns auch «Hobbit-Camp» genannt. Das Camp ist total liebevoll gemacht und bietet in einfacher Ausführung alles, was das Camperherz begehrt. Ausreichend Sanitäranlagen, eine Küche, Sitzplätze, Feuerstelle etc. Zu seinem Spitznamen kommt es, da man auch in «Erdhöhlen» schlafen könnte, die einen an das Hobbit-Land erinnern. Nach einem leckeren Abendessen mit Grilladen, Tomatensalat und Rösti werden wir mit einem wunderschönen Abendhimmel überrascht.

Weiter geht es durch den Velebit Nationalpark. Dieser hat hier einen ganz anderen Charakter, wie noch im «Winnetouland». Die Strecke führt hauptsächlich durch Wald aber gerade am Anfang hat man immer wieder tolle Ausblicke in die felsige Landschaft.

Ein kleiner Abstecher entfernt liegt das Bärenrefugium Kuterevo. Hier kümmern sich Voluntaris um gerettete Bären. In drei Gehegen sind aktuell acht Bären unterschliedlichen Alters untergebracht. Also theoretisch. Denn bei unserem Besuch zeigt sich kein einziger. Vermutlich machen alle grad Mittagsschlaf. Uns wird angeboten, auf dem Parkplatz zu übernachten. Vielleicht bietet sich gegen Abend die Chance, die Bären zu sehen. Und so ist es dann auch. Als wir uns nochmals auf machen, um die Bären zu suchen sind alle aktiv. Zwei jüngere Bären spielen miteinander und flitzen durch das Gehege. Bei den älteren geht es eher gemächlich zu. Die einen fressen Gras, die anderen suchen Früchte in Asthaufen. Bestes Timing und ein eindrückliches Erlebnis, diesen Tieren so nahe zu kommen.

Nach den vielen Eindrücken der letzten Tagen haben wir nochmals das Bedürfnis nach ein bisschen Pause. Wir entscheiden uns, nochmals einen halben Tag am Meer einzulegen. In Kroatien bietet sich dies an, da die Wege von den Offroadstrecken in den Bergen zu den Strängen vergleichsweise kurz sind. Deshalb fahren wir heute nur eine kurze, aber Landschaftlich sehr schöne und «typisch kroatische» Etappe mit fast konstantem Meerblick.

Am Meer angekommen, steuern wir das Camp Punta Povile an. Wieder haben wir ein gutes Händchen bei der Auswahl. Das Camp bietet verschiedene Stellplätze, teilweise im Wald, teilweise exponiert mit direktem Meersicht. Da wir früh da sind, finden wir zwei schöne Plätze nebeneinander mit Meersicht in alle Richtungen. Eva geniesst das Planschen und «Sändelen» oder eher «Kieselen» und ich das Schwimmen. Obwohl das Meer da also sehr speziell ist. Irgendwie herrschen verschiedene Strömungen und das kristallklare kalte und warme Wasser vermischt sich fast nicht. Das führt dazu, dass die Füsse kalt, der Bauch warm und die Schultern arschkalt haben. Sehr schräg. Wir finden dann noch eine kleine Bucht auf der anderen Seite des Campings, wo das Phänomen etwas weniger ausgeprägt ist. Dort ist das Wasser in Ufernähe aber ebenfalls deutlich kälter, wie etwas weiter draussen. Sehr speziell!

Nachts hat es etwas geregnet und am Morgen türmen sich ringsum dunkle Wolken auf. Google und unsere Wetterapps warnen schon seit gestern vor schweren Unwettern in der Gegend. Zuerst hält sich das Wetter noch und wir fahren einen schönen Track mit toller Aussicht.

Dann fängt es aber doch an zu schütten und will nicht mehr aufhören. Bei einem kurzen Stopp am Winnetou Filmset sind wir innerhalb kurzer Zeit pitschnass.

Anstatt besser wird es immer schlimmer, es schüttet wie aus Kübeln. Kriegsrat. Der nächste Track durch die Berge macht so keinen Sinn, da wir eh nichts sehen. Ausserdem macht Camping bei dem Wetter auch nur mässig Spass. Also entscheiden wir uns kurzfristig, in Rijeka eine Wohnung zu mieten. Der Vermieter reagiert schnell und schon eine Stunde später stehen wir in der trockenen Wohnung. Schütten tut es immer noch so stark, dass sich das Trottoir in einen Bach verwandelt und bei den Häusern die Keller volllaufen. Das war ein guter Entscheid mit der Wohnung. Selbst auf dem Weg zum Restaurant werden wir nochmals kräftig geduscht. Nach dem sehr leckeren Essen, haben sich unter unseren tropfnassen Jacken kleine Pfützen gebildet. Zum Glück hat der Regen endlich aufgehört und Marcel und ich machen noch einen Spaziergang durch die hübsche Altstadt und durch den Hafen und bewundern die Bonzenyachten, die da auf Ihre Besitzer waren.

Am nächsten Morgen guckt zum Glück bereits wieder die Sonne hervor. Deshalb entscheiden wir uns, wieder zurück in den Berge und den ursprünglich geplanten Track doch noch zu fahren. Der Weg führt durch Wald, Wald und nochmals Wald entlang der slowenischen Grenze. Aber sehr schönen Wald!

Nur an einer Stelle gibt es die Möglichkeit, zu einer Radarstation hochzufahren. Die Möglichkeit nutzen wir natürlich, auch wenn es dort oben saumässig windig und kalt ist. Tapfer machen wir Mittagspause im Windschutz der Hütte.

Nach 3 Wochen ist er nun gekommen, der letzte gemeinsame Abend. Caro, Marin und Eva machen sich Morgen auf den Weg in Richtung Norden, Marcel, Panja und ich fahren Richtung Westen. Wir finden einen schönen Camping in Slowenien und gönnen uns im Restaurant ein leckeres Abschiedsessen. Lasagne und Istrischen Eintopf. Nachts werden wir durch röhrende Hirsch in den umliegenden Wäldern lange wachgehalten. So laut und so intensiv habe ich das noch nie gehört! Ein spezielles Erlebnis und ein würdiger Abschied für unsere gemeinsame Reise!

Auf dem Heimweg durch Slowenien besuchen wir die Höhlenburg Predjama. Wie auch immer man auf die Idee kommt, eine Burg in einen Fels zu bauen. Ich glaube kaum dass man damals schon an die Einnahmen durch Touristen gedacht hat. Ein eindrücklicher Bau ist es allemal und lohnt den Besuch!

Weiter geht es durch eine unerwartet kurvige und schöne Strecke in Richtung Socia Tal. Denn unser Ziel ist es, über den Stol Pass zu fahren. Offenbar war die Strecke diesen Sommer gesperrt, da ein Teil betoniert wird. Google meint aber, dass die Strasse nun wieder offen ist. Hoffen wir mal das Beste. Mittags ziehen dunkle Wolken auf. Natürlich genau in der Richtung, in der der Pass liegt. Dann gehen die Schleusen auf und das Gewitter hat uns erreicht. Was tun? Einen Bergpass zu fahren bei dem Wetter ist vielleicht nicht die allerbeste Idee. Der Wetterradar meint aber, dass nun das Gröbste durch ist. Hoffen wir das App hat recht. In der Tat hört der Regen langsam auf. Allerdings kommt nun Nebel auf. Ürks. Einmal mehr haben wir auf dieser Reise Wetterglück, bei den letzten Kehren löst sich der Nebel auf und wir sehen das ganze Panorama. Wow!

Was für ein Abschluss dieser wirklich grandiosen Reise!

Bosnien Teil 2

Nach unserem Pausentag am Ramsko Stausee wollten wir eigentlich einen Track in Richtung Mostar fahren. Es hat aber die ganze Nacht geregnet und hört auch nicht auf, während wir unseren Kram zusammenpacken. Unser Stellplatz verwandelt sich in eine Schlammgrube und wir sind schon bald klatschnass. Einerseits vom Regen und andererseits weil wir alles bei der Aussendusche von Schlamm gefreien müssen. Wir flüchten uns deshalb kurzerhand ohne Zmorge in ein Kaffee und lassen es uns da erst mal gut gehen mit einer riesigen Schoggi Melange.

Aufgrund der Wetterprognose für die nächsten Tage entscheiden wir kurzerhand, unser Programm umzustellen. Anstatt nach Mostar geht es nach Sarajevo. Unterwegs wollen wir uns ein paar Lost Places der Winterolympiade von 1984 anschauen, denn da stört der Regen nicht so. Mittags halten wir in Hadzici auf gut Glück bei einem Restaurant, damit wir im Trockenen essen können. Ist für uns ja rehct gewöhnungsbedürftig, dass auf jedem Tisch Aschenbecher stehen, die auch fleissig genutzt werden *hust*. Aber die Holzofenpizza ist so richtig fein. Und das für grad mal 6 Euro pro Pizza. Mittlerweile hört der Regen zumindest vorübergehen immer mal wieder auf und es drückt sogar die Sonne. Also los zur Sprungschanze. Schon eindrücklich, wenn man da beim Schanzentisch steht und in die Tiefe blickt. Und gleichzeitig schwer zu verstehen, weshalb man solche Anlage erstellt und dann verlottern lässt. Hier hat vermutlich der Krieg auch noch eine Rolle gespielt aber nachhaltige Spiele geht bestimmt anders! Immerhin wird neben der Sprungschanze offenbar auch heute noch ein Skilift betrieben.

Weiter geht es zum ehemaligen Athletendorf. Ein grosses Hotel, das vor sich hingammelt. Sogar die Tiefgarageneinfahrt ist noch zu sehen. Runter getraut haben wir uns allerdings nicht.

Der letzte Lost Place ist die Bobbahn oberhalb von Sarajevo. Man könnte die ganze Bahn ablaufen. Haben wir nicht gemacht, aber dennoch war es eindrücklich, da auf der Bahn rumlaufen zu können. Und mit den ganzen Grafitis sieht sie eigentlich noch ganz cool aus wie ich finde. Wenn auch eher nach nem Skaterpark denn nach einer Bobbahn. Offenbar gab es Pläne, die Bahn in eine Sommerrodelbahn umzufunktionieren. Das scheiterte aber daran, dass die Stabilität nicht mehr gegeben ist. Na danke, dass ich da grad fünf Meter über Boden steht, als ich das mithöre…

Ganz in der Nähe der Bobbahn fahren wir einen erste vor wenigen Wochen eröffneten Camping «Camp above Sarajevo» an. Die Infrastruktur an Campingplätzen ist im vielen Teilen sowieso erstaunlich gut. Überall entstehen neue Campingplätze und jeder Platz, auf dem wir waren, hatte gut gepflegte Sanitäranalgen, sehr freundliche Betreiber und bei Preisen zwischen 15 und 30 Euro auch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Es macht für mich den Eindruck, als hätten die Leute hier verstanden, dass sich das Problem der Wildsteher an jedem Eck nur durch die Schaffung eines vernünftigen Angebotes an Plätzen bekämpfen lässt. Auch wenn es in Bosnien aktuell an vielen Orten noch geduldet wird, frei zu stehen, sollte man in meinen Augen die Campingplätze nutzen, sofern es solche gibt.

Von Sarajevo aus starten wir die geplanten Tracks quasi von hinten. Zuerst geht es auf gut ausgebauten Strassen Richtung Süden, bis wir dann grob Richtung Mostar abbiegen. Obwohl es sich zuerst über ein ganz normale geteerte Verbindungsstrasse handelt, sind wir aufs Neue beeindruckt von der Landschaft. Und spätestens beim Mittagshalt auf einem gedeckten Rastplatz neben einer Kirche, weil es natürlich grad wieder regnet, sind wir uns einig: Bosnien hat alle unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. So ein tolles Land und für unsere Art zu reisen einfach nur perfekt!

Irgendwann ist der Teer vorbei uns die Strasse führt wunderschön einer Schlucht entlang. Da wir gut vorankommen, entscheiden wir uns zu einem Abstecher zu einem Bergsee.

Am See treffen wir eine Gruppe Einheimischer, die dort mit Ihrem Geländewagen offenbar einen Männertag verbringen. Ich frage nach, ob wir den gleichen Weg zurück müssen oder ob der gestrichelte Weg durchgehend ist. Sollte der Fall sein meinen die. Und was soll ich sagen, ja wir sind durchgekommen. Aber es gab da schon ein paar recht knifflige Stellen. Viele Autos fahren die Strasse offenbar nicht. Hat aber auf jeden Fall Spass gemacht und die beinahe unberührte Landschaft für uns ganz alleine zu haben ist unglaublich. Die Landschaft erinnert mich irgendwie an Bilder aus der Mongolei. Unterwegs finden sich auch Felder mit alten Grabsteinen.

Die Nacht verbringen wir am Alagovac See. Direkt neben uns ist eine Gruppe junger Männer mit Fischen und den Fang feiern beschäftigt. Sie grüssen uns nett, nehmen sonst aber keine Notiz von uns. Und fahren dann irgendwann gegen Mitternacht wieder. Obwohl die Nacht total ruhig war, schläft niemand von uns so richtig gut. Keine Ahnung warum. Vermutlich weil es fast zu ruhig ist? Man hört jedes Geräusch. Besonders nervig, ein konstantes Tropfen, das ich nicht zuordnen kann. Regnen tut es nicht. Wo zum Teufel tropft denn unser Auto? Als ich Morgens aufstehe, wird es mir erst klar. Draussen ist stockdicker Nebel und überall tropft das Wasser von den Bäumen. Dass von so kleinen Wassertropfen wach gehalten werden kann, tsssssssssssssssss.

Heute steht ein Track auf unserem Plan, der von unserem Tourenbuch die höchste Schwierigkeit erhalten hat. Zuerst geht es harmlos los, die Teerstrasse führt wieder an alten Friehöfen vorbei Richtung Berge.

Dann zweigen wir auf eine immer noch gut zu fahrende Schotterstrasse im Wald ab. Die Strasse wird zwar immer steiniger, die Autos klettern aber problemlos hoch. Dafür sind sie schliesslich gemacht. Dann kommen wir zu den schwierigen 3 Kilometern. Und ja, die haben es wirklich in sich. Hohe Steinstufen wechseln sich ab mit schlammigen Passagen. Irgendwie verpasse ich es vor lauter Anspannung, ein paar Beweisfotos zu machen. Man muss mir jetzt halt einfach glauben. Als die Strecke vorbei ist, strahlen die Männer. Die hatten Spass… Wir suchen uns ein schönes Plätzchen fürs Mittagessen und geniessen die Sonne.

Kurz vor Mostar machen wir einen Abstecher zu einem verfallenen Fort. Hier wäre auch ein idealer Übernachtungsplatz mit Blick auf die Stadt.

Wir entscheiden uns aber, in die Stadt runter zu fahren und uns dort auf einem Camping direkt am Fluss einzuquartieren. Mostar liegt in einem Talkessel und ist deshalb immer etwas wärmer wie in der Umgebung. Das nützten wir aus und räumen erst mal die ganzen klammen Sachen aus den Dachzelten. Die letzten Tage und Nächste waren doch sehr feucht. Die Badetücher nützen höchstens noch um sich zu waschen, nicht mehr um sich abzutrocknen.

Dank der gut 30 Grad trocknet es hier ruckzuck und wir freuen uns alle bereits auch ein trockenes Bett. Zuerst stürzen wir uns aber noch in Touristengewimmel in der Altstadt von Mostar. Ein kleiner Kulturschock nach den Tagen in der Abgelegenheit. Wie bereits bei den Wasserfällen sind sehr viele Familien mit vollverschleierten Frauen unterwegs sind. Wir finden zwar nicht heraus, woher diese Touristen stammen aber offenbar ist Bosnien für Personen vermutlich aus dem nahen Osten ein beliebtes Reiseziel. Wir schlendern ein bisschen durch die Altstadt und über die neu aufgebaute Brücke «Stari Most», die den kroatischen vom muslimischen Teil trennt und während des Kriegs zerstört worden ist.

Fürs Abendessen finden wir ein hübsches Restaurant mit sehr leckeren lokalen Gerichten. Blöd für Marcel, der mit Panja auf dem Camping geblieben ist und sich mit Onkel Benz Fertigreis begnügen musste. Für den Heimweg gab’s dann noch etwas Knatsch mit dem Taxifahrer. Die Hinfahrt hat mit Taxameter 5.50 Euro gekostet. Für den Rückweg wollte er dann 7.50 Euro fix haben. Weil er müsse danach das Auto waschen, die letzten paar Meter führten über eine Kiesstrasse. So ein Schmarrn… Erst wollten wir ablehnen, aber da Eva ziemlich durch war und natürlich in nützlicher Frist kein anderes Taxi kommt, geben wir halt zähneknirschend klein bei.

Nun folgt der letzte Track aus unserem Tourenbuch, der uns wieder zurück an den Ramsko Stausee führt. Dort, wo wir vor drei Tagen unsere Tour umgedreht haben. Dieser Entscheid war rückblickend wirklich ein Glücksgriff. Auf den schönen Bergstrecken hatten wir nun durch das Band traumhaftes Wetter. Und auch von der Fahrtrichtung und der Aussicht her fanden wir es so rum eigentlich besser. Win win könnte man sagen. Die Strecke führt uns abermals durch eine einsame Hochlandschaft. Uns begegnen nur eine Handvoll Autos und ein Holzlaster. Kurz vor Ende wartet denn auch noch ein toller Blick auf den Stausee auf uns.

Wir quartieren uns dieses Mal auf dem grössten Caming «Bosnjak» ein, mit der Hoffnung auf Waschmaschine UND Tumbler. Die Lage ist wieder toll, wir stehen in vorderster Reihe mit Blick auf den See. Der Camping ist recht voll, die Camper stehen dicht gedrängt. Ungewohnt für uns. Beim Panjaspaziergang sehe ich, dass auf dem Camping vom letzten Mal niemand steht. Komisch. Irgendwie leiden Camper wohl unter Herdenverhalten. Ich würde das nächste Mal auf jeden Fall wieder eines der kleineren Camps vorziehen.

Da das mit dem Tumbler doch nicht geklappt hat und die Waschmaschine den Schleudergang unterschlagen hat, gibt es einen ruhigen Morgen, damit die Wäsche noch etwas Zeit zum Trocknen hat. Ich schwimme nochmals eine Runde, anschliessend geht es wieder los.

Auf dem Programm steht die Hochebene Kurzi in der Nähe von Livno. Dort leben etwa 1500 Wildpferde. Also eigentlich sind es keine Wildpferde im klassischen Sinne, sie stammen ab von freigelassenen Arbeitspferden. Man kann geführte Touren dort hin machen oder halt eben auch selber hochfahren, wenn man ein einigermassen geländegängiges Fahrzeug hat. Wir stauen, was da oben für ein Betrieb herrscht. Von geführten Quadtouren über Pinzgauer bis zum VW Transporter kommt uns alles entgegen. Wir sehen ein paar Pferd um einen Unterstand herum und zwei, drei kleinere Gruppen aus der Ferne mit dem Fernglas. Entgegenkommende Motorradfahrer sagen uns, dass eine grössere Gruppe von etwa 200 Tieren nur 1-2 Kilometer neben unserem Mittagsplatz zu finden ist. Und in der Tat, zweimal ums Eck gefahren, ist gefühlt der ganze Berghang voller Pferde. Wir nähern uns zu Fuss, die Tiere sind Neugierig und offenbar gut an die Gegenwart des Menschen gewöhnt. Wir können uns ruhig durch die Herde bewegen und fotografieren. Sogar ein erst ein paar Stunde altes Fohlen sehen wir ganz aus der Nähe.

Nach einer Rundfahrt schlagen wir unser Camp hinter einem verlassenen Haus auf. Einigermassen Wind- und Sichtgeschützt. Gewitter ziehen um uns herum. Sie erreichen uns nicht, führen aber zu einer wunderschönen Abendstimmung. Nachts hören wir nur ab und zu ein Pferd wiehern und die weit entfernten Windräder.

Am Morgen mache ich einen Spaziergang mit Panja auf ein Hochplateau über dem Camp und suche die Pferde. Zuerst sind nur Gruppen weit entfernt zu sehen. Einzig ein Füchslein läuft mir vor die Linse.

Dann sehe ich, die sich eine grössere Gruppe von einer Wasserstellt auf den Weg in unsere Richtung macht. Also so schnell wie möglich runter vom Berg geklettert und schon bin ich Mittendrin in den Pferden. Wenn ich gewusst hätte, dass die alle an unserem Camp vorbeilaufen, hätte ich gar keinen Spaziergang machen müssen. Nach dem Frühstück packen wir rasch zusammen, da eine Regenfront näherkommt. Kaum losgefahren sehe ich im Rückspiegel, dass wieder eine grosse Gruppe Pferde kommt. Wir warten also uns lassen uns überholen. Marcel hat nur in der Gruppe etwa 80 Tiere gesehen. Auf dem Weg vom Berg runter fahren wir noch an mehreren grossen Gruppen vorbei. Wo wir gestern noch Pferde suchen mussten, wimmelt es heute nur so von Ihnen. Keine Ahnung wie viele verschiedene wir gesehen haben. Ein paar hunderte werden es schon gewesen sein.

In Livno nutzen wir die gute Infrastruktur, tanken die Autos und gehen nochmals einkaufen bevor es nach Kroatien geht. Doch kurz vor dem Zoll ein Schreckmoment. Unser Auto läuft nicht mehr auf allen Zylindern. Sofort gestoppt und erstmal wieder runter in die Ebene mit ihm. Zum Glück haben wir ja den Toyota Mechaniker des Vertrauen gleich mit dabei. Danke Martin!

Er schaut schaut sich alles an und kommt zum Schluss, dass es wie nicht so schlimm sein kann. Der Motor scheint noch intakt zu sein. Wir entscheiden uns vorsichtig mal weiterzufahren, damit wir zumindest wieder zurück in die EU kommen. Und was soll ich sagen, das Buschtaxi hat offenbar selbstheilende Kräfte. Oder er hat meine Drohung, dass er sonst durch einen Van ersetzt wird, doch ernstgenommen. Jedenfalls läuft er nach ein paar Kurven wieder völlig normal und wir kommen gut bis an die kroatische Küste, wo wir uns wieder mal einen Tag Reisepause gönnen.

Bosnien Teil 1

Dass wir diesen Sommer wieder Richtung Balkan wollen war schon länger klar. Wohin genau, haben wir bis ganz zum Schluss offen gelassen. Denn wir sind wieder mit unseren Freunden Caro und Martin unterwegs. Neu dazugekommen ist ihre 15 Monate alte Tochter Eva. Klar, dass sich deshalb alles zuerst etwas einspielen muss und sich der Reiserhytmus etwas ändern wird. Nach einem gemeinsamen Wochenende mit Offroad-Freunden in der Nähe von Graz, geht es auf ziemlich direktem Weg durch Kroatien Richtung Bosnien. Die Flugzeugkaverne Zeljava liegt auf dem Weg. Klar also, dass die obligatorischen Overlander-Poserfotos auch her müssen. Sogar die kleine Eva will eines!

Nachdem die ersten Kriegsverletzungen verarztet sind (ja, es ist sau dunkel da drinnen und die Schlaglöcher tief!), geht es weiter zur bosnischen Grenze. Wir haben uns ja auf Wartezeit eingestellt, aber der Grenzübertritt zerrt dann doch ordentlich an unseren Nerven. Denn gleichzeitig will eine grosse Gruppe irgend einer Bullshit Ralley die Grenze passieren. Die Teilnehmeden drücken sich dauernd vorne rein und blockieren die Spur für die anderen. Was dazu führt, dass wir nicht vorankommen. Args. Tja, Anstand ist halt nicht für alle Leute selbstverständlich. Aber hej, Karma! Nach rund 1.5. Stunden sind wir dann endlich in Bosnien. Da der Übertritt etwas länger gedauert und Eva so um ihr Mittagsschläfchen gebracht worden ist, werfen wir unsere Pläne kurzerhand um und steuern das nächstbeste Camp an. Das Una Rafting Camp ist ein Glückstreffer, tolle Lage direkt am Fluss und sehr nette Betreiberinnen. Wir haben sogar den unteren Teil des Camps ganz für uns alleine. Bis Mitten in der Nacht zwei holländische Vans auftauchen. Am Morgen beim Aufstehen bietet sich uns dann ein lustiges Bild.

Tja, kann man machen. Ich ziehe definitiv das Dachzelt vor.

Weiter geht es in den Una-Nationalpark. Das Schild am Eingang ist schon mal vielversprechend!

Der Weg ist zwar nicht grad anspruchsvoll, führt aber durch wunderschöne Urwälder bis zum Wasserfall Strbacki Buk.

Der Wasserfall ist auch über eine Teerstrasse zugänglich. Was ein ziemliches Gewusel mit sich bringt. Es wurden schöne Holzstege angelegt, auf denen man ganz bequem hinuntersteigen kann.

Bevor wir uns einen Übernachtungsplatz suchen, machen wir noch eine Abstecher zu einer Burgruine. Die Strasse ist zwar teilweise fast zugewachsen und wer allergisch ist auf das Geräusch von kratzenden Ästen auf Lack sollte diesen eher umfahren. Für die Aussicht ins Tal und auf die glasklare Una hat sich jeder Kratzer gelohnt würde ich mal sagen.

Zum Übernachten entscheiden wir uns für den Nationalpark eigenen Camping in Martin Brod. Wir stehen direkt am Wasser und können das erste Mal bissel Ferienfeeling tanken. Man kann sogar schwimmen im Fluss. Wenn man denn immun gegen arschkaltes Wasser ist.

Nach dem Abendessen machen wir einen Spaziergang zu den berühmten Wasserfällen von Martin Brod. Wirklich spektakulär und im Nachhinein etwas schade, dass wir so spät los sind und die letzten Sonnenstrahlen nur noch knapp erwischt haben. Aber man muss ja noch ein Ziel für nächstes Mal haben.

Eigentlich wollten wir am Ufer der Una weiter fahren. Da steht aber auf einem Weg eine Schranke und auf dem anderen ein Fahrverbotsschild. Ich habe zwar ein paar Tage vorher auf Facebook gelesen, dass das Schild wohl nicht offiziell ist. Wir entscheiden uns dann aber doch gegen den Track. Man ist ja schliesslich Gast im Land und sollte nicht alles ausreizen. Meine Meinung. Unsere Alternativroute bis zum nächsten Track führt uns teilweise auf Schotter über eine wunderschöne Hochebene. Die Landschaft ist mit vielen Kratern übersäht. Muss mich mal noch schlau machen, woher diese stammen. Nach einer Mittagsrast und «Eva müde mach Programm» steigen wir in den Track von Glamoc nach Kupres ein. Der erste Teil ist landschaftlich wieder superschön und führt auf eine Hochebene mit tollen Aussichten.

Weiter geht es dann eher eintöniger durch dichte Wälder. Leider findet sich auch keine Möglichkeit, ein Camp aufzuschlagen, denn Eva hat langsam genug vom Autofahren. Zum Glück kommen wir irgendwann aus dem Wald raus und finden dann doch noch einen wirklich spektakulären Campspot mit unglaublicher Aussicht. Was für ein Glück!

Der Weg runter vom Berg führt uns wieder durch eine Kraterlandschaft und ein weitläufiges Tal. Im nächsten grösseren Ort besorgen wir Brot und Wasser, bevor wir in den nächsten Track einsteigen. Dieser fängt zwar etwas öde an. Haarnadelkurve an Haarnadelkurve schrauben wir uns in die Höhe. Dafür findet sich ein idealer Platz für den Mittagshalt mit Aussicht zurück ins Tal.

Das Vranica Bergmassiv ist ein Ferienerholungsgebiet mit vielen kleinen Hütten und einem gut ausgeschilderten Wanderwegnetz. Die Strasse führt über weite Strecken ausgesetzt einem Berghang entlang und erinnert an die Maira-Stura in den Westalpen. Eine wirklich tolle Strecke!

Und wie am Balkan üblich, ist der Golf natürlich auch schon da!

Wieder unten angekommen, suchen wir uns einen der zahlreichen Campingplätze am Rama Staussee aus. Der See ist ideal für einen Tag Pause mit bädelen, sünnelen und bissel Büroarbeit.

Von Icht bis Tanger

Uns bleibt noch etwa eine Woche, bis wir in Tanger die Fähre Richtung Europa nehmen müssen. Genug Zeit, um das Gebiet um den Atlas noch etwas zu erkundigen. Von Icht fahren wir zuerst über eine Teerstrasse durch die sehenswerte Igmir Schlucht, bis zur riesigen Goldmine Akka.

Von da an haben wir wieder einfache Piste bis nach Tata. Geplant war, dass wir in Tata tanken und Geld abheben. Aaaaaber es ist Freitag und das ist wohl ein schlechter Zeitpunkt, um Geld abzuheben. Alle Bankomaten sind leer. Öhm okay. Unser Bargeld reicht zum Glück noch, um die Tanks einmal zu füllen. Da uns beim letzten Besuch der Campingplatz in Tata jetzt nicht so vom Hocker gerissen hatte und es noch früh am Nachmittag ist, entschliessend wir uns, den nächsten Track anzufangen. Gemäss Beschreibung führt dieser durch ein einsames Hochtal. Da wird sich sicher was zum Übernachten finden. Irgendwie ist das Hochtal aber gar nicht ganz so einsam und der Track verwandelt sich etwa nach der Hälfte in eine neue Teerstrasse. Auch in Marokko zieht der Fortschritt überall ein.

Kurze Zeit später finden wir zum Glück nur wenige Meter neben der (kaum befahrenen) Hauptstrasse einen super schönen Platz in einem Flussbett, zwischen ein paar Palmen. Hier bleiben wir.

Am nächsten Tag geht es zuerst auf dieser Hauptstrasse weiter. Diese kurvt durch kleine und sau enge Dörfchen und wenn man nicht die Umfahrung nimmt, landet man mitten in einem Palmenhain. Wir kommen grad so überall durch und geniessen eine wunderbare Aussicht zurück in das enge Tal.

Dann verlassen wir die Teerstrasse und kurven wieder über tolle Bergsträsschen durch gar nicht mal so kleine Ortschaften. Mich nimmt ja schon wunder, wovon die Leute hier oben leben können.

Die nächste grössere Ortschaft ist Taliouine. Hier herrscht schon mehr Leben und auch der Tourismus spielt eine grössere Rolle. Ach ja und Bankomaten mit Geld drin gibt es auch. Die nächste Tankfüllung ist gerettet 😉. Wir fahren noch ein bisschen weiter und wollen den nächsten Pass, den Tizi-n-Melloul in Angriff nehmen. Kaum aus der Stadt raus, zischt es plötzlich und Marcel reisst einen Stopp. Shit, der Reifen mit dem Schlauch drin ist platt. Gut haben wir bald mehr Übung im Reifenwechseln, wie die F1-Crew von Ferrari und sind schon bald wieder fahrbereit.

Zum Glück. Denn wir sind uns nicht ganz sicher, ob der angepeilte Pass überhaupt fahrbar ist. Der Reiseführer empfiehlt nämlich eine andere Route, da die Strasse damals verfallen war. Die Passstrecke ist aber wie’s aussieht frisch gemacht und für uns absolut problemlos zu befahren.

Unterwegs biegen wir dann auf eine etwas kniffligere Umfahrung ab und suchen uns da einen Übernachtungsplätzchen auf einer schönen Wiese. Obwohl wir nicht ganz so versteckt stehen, wie wir das eigentlich gerne hätten, kommt die ganze Nacht niemand vorbei und wir geniessen die Aussicht bis in die Schneegipfel des hohen Atlas.

Weiter geht es Richtung Ouarazate. Zuerst absolvieren wir ein bisschen Touristenprogramm und machen einen kleinen Abstecher nach Ait Bennhadou. Und ja, es ist weniger schlimm, wie erwartet, aber doch ein kleiner Kulturschock.

Den Weg auf den Hügel über der alten Stadt muss man sich durch ein Labyrinth an Souvenirshops bahnen. Aber wir sind ja schliesslich auch waschechte Touristen und das eine oder andere Souvenir ist doch auch in unsere Tasche gewandert 😉. Geht da fast nicht anders, obwohl die Verkäufer wirklich nicht aufdringlich sind. Das hatte ich irgendwie anders abgespeichert von meinem letzten Marokkobesuch. Zur Belohnung gibt es ein gar nicht mal so schlechtes Mittagessen auf einer schattigen Gartenterrasse.

Unser nächstes Ziel Ouarazate ist nur noch ein paar Kilometer entfernt. Eigentlich ist der Plan, einen neuen Schlauch für den Reifen zu kaufen, damit wir wieder ein Ersatzrad haben. Blöderweise ist Sontag und Ouarazat eine moderne Stadt mit westlichen Zügen. Was bedeutet, dass am Sonntag natürlich alles geschlossen ist. Mist. Dafür finden wir einen Carrfour Supermarkt. So einen richtigen. Sogar mit grosser Wein-, Bier und sogar Spirituosenabteilung. Wow, ein bisschen wie Weinachten. Kann wohl bei uns kaum einer verstehen, dass man sich so über einen gut sortieren Supermarkt freuen kann… Unsere Vorräte werden grosszügig aufgefüllt und dann geht es zum Camping «A lot of stars». Lustiger Name und sehr nette Betreiber. Sogar ein Begrüssungstee wird uns angeboten. Das wahre Highlight sind die vielen Pfaue. Oder Pfauen? Hmmm…. Leider wird uns erst nachts bewusst, dass die nicht nur hübsch sind, sondern einen sau Lärm machen. Da können die streunenden Hunde also glatt einpacken.

Weiter geht es durch die bekannte Dades Schlucht. Die eigentliche Schlucht ist zwar recht kurz und für mich bei weitem nicht so beeindruckend, wie die benachbarte Thodra Schlucht. Aber die ganze Strecke ist wunderschön, auch wenn der grösste Teil mittlerweile geteert ist.

Nur noch über den Tizi-n-Ouano ist ein etwa 10 Kilometer langes Stück nicht geetert. Mit unseren Autos aber kein Problem zu fahren, auch wenn es teilweise etwas rauh und eng ist. Etwas anders hat das wohl ein deutsches Pärchen empfunden, die da mit dem Wohnmobil der Tochter unterwegs waren. Sie ist ein bisschen blass um die Nase und hat unsere angebotenen Schokokekse als Nervennahrung gerne angenommen. Wir hoffen, der Camper hat es schadlos überstanden und die Tochter muss es nie erfahren 😉.

Auf der Passhöhe bei 2’914 M.ü.M muss dann natürlich noch ein Foto gemacht werden, denn dies ist der wohl höchste Punkt, den wir auf dieser Reise anfahren werden.

Unterwegs machen wir einen Abstecher zu einer Grotte und einer Naturbrücke. Leider sind wir ein bisschen zu doof, die genau Location zu finden. Reiseführer genau lesen oder Track zum Wandern mitnehmen, würde beides helfen. Aaaaaaber nicht so schlimm, wir kommen sicher mal wieder hier hin und dann finden wir es ganz bestimmt. Wir überlegen noch kurz, ob wir grad hier am Fuss des Canyons unser Nachtlager aufschlagen sollen. Wäre nämlich ein schöner und sicherlich ruhiger Platz. Wir sind uns aber nicht ganz sicher, ob es am nächsten Tag zu viel Strecke wäre. Immer etwas schwierig abzuschätzen, in welchem Zustand die Strassen sein werden.

Wir entscheiden uns deshalb, noch bis nach Ilmichil weiterzufahren. Und das ist ein guter Entscheid, denn die Location direkt am See ist toll und die Campbetreiberin ist eine bezaubernde alte Dame. Wir kriegen Tee und Kekse und sie fragt die ganze Zeit, ob wir noch was brauchen und auch ja nicht zu kalt haben und was weiss ich nicht alles. Nach dem vielen Schwitzen geniessen wir die kühleren Temperaturen hier in den Bergen aber so richtig. Ich muss sogar den Schlafsack ganz zumachen zum Schlafen. Boah…

Nach einem Hundespaziergang beim Sonnenaufgang geniessen wir unser Frühstück mit frischem Brot in der Sonne. Hach ein tolles Plätzchen hier. Hier liesse es sich aushalten. Leider denkt sich das wohl auch Martins Toyota. Denn als wir uns endlich losreissen wollen, geht bei dem gar nix mehr. Streik. Frechheit. Zum Glück kennt Martin seinen Toyo in und auswendig und so ist der Fehler schon nach kurzer Zeit gefunden. Stecker wieder zusammenstecken und es geht los. Uff. Wäre ja noch schöner, wenn wir ausgerechnet heute stehengeblieben wären. Wir haben am Abend nämlich ein Date mit Mark. Wir wollen uns nochmals treffen und ein bisschen über Mauretanien und was sonst so gelaufen ist plaudern. Zuerst steht aber noch ein Highlight der ganzen Tour auf dem Programm. Die Fahrt durch eine wirklich wunderschöne Schlucht entlang des Flusses Assif Melloul.

«Leider» wurde die Strasse vor ein paar Jahren frisch gemacht und ist deshalb nicht so abenteuerlich wie früher. Aber die Landschaft hat sich natürlich nicht geändert und ist atemberaubend schön. Vor allem auch, da es überall blüht. Keine Ahnung was das ist. Oleander? Sieht auf jeden Fall super aus.

Nach der Schlucht kommen wir bei der Cathedrale des Roches vorbei. Leider ist die Sonne fototechnisch grad etwas ungünstig. Dennoch wirkt die Felswand imposant. Offenbar diente die Wand schon berühmten Kletterern zur Vorbereitung für den El Capitan.

Nun sind es nur noch 40 Kilometer bis zum Camping. Aaaaaber die haben es in sich. Ich glaube, ich bin noch nie mehr Kurven gefahren auf 40 Kilometern, wie hier. Die Strasse windet sich hoch, bis wir gefühlt fast auf Höhe der Cathedrale sind. Eindrücklich. Was hoch geht, muss natürlich auch wieder runter. Und plötzlich, als wir schon kaum mehr daran glauben, sehen wir wie aus dem Nichts ein wunderschönes Hotel auftauchen. Unser Campingplatz gehört zu diesem Hotel. Gut der Platz war jetzt nix besonderes. Aaaaaber die Sanitäranlagen waren der Hammer. Sowas erwartet man eigentlich eher in einem Wellnesshotel. Ich nehme mir das Recht heraus und küre diese als die schönsten Sanitäranlagen Marokkos!

Mark ist schon da und wir tauschen uns über unsere Reise durch Mauretanien aus. Abendessen gibt es im Hotelrestaurant. Ist zwar hier immer bitseli kompliziert. Bei Ankunft fragt man, ob man hier essen kann. Hm ich weiss es nicht, ich muss den Koch fragen. Der Schläft aber. Ein paar Stunden später kommt der Koch, ja ihr könnt hier essen. Was möchtet ihr? Ja ähm was hast du denn? Etwas wird angeboten (keine Auswahl). Ja gut das nehmen wir. War ein guter Entscheid denn es war also supermegafein. Würde sogar sagen, mein Favoritenessen von der ganzen Reise.

Tja und irgendwie war uns das gestern gar nicht so bewusst, aber ab heute geht es nur noch auf Teer weiter. Fertig Offroad. Die Strasse ist aber wenigstens immer noch mega schön und führt uns entlang des hohen Atlas nach Marrakesch. Dort steuern wir das Camp Le Relais du Marrakesch an. Der Camping liegt ruhig etwas ausserhalb von Marrakesch und hat einen schönen Pool mit vielen gemütlichen Chillecken. Wir haben sogar einen Olivenbaum am Platz und können die Hängematte aufspannen. Juhu, wieder etwas, das nicht für nichts mitgekommen ist. Check! Am späteren Nachmittag nehmen Marcel, Caro und Martin ein Taxi in die Stadt. Da es weit über 30 Grad ist, möchten wir Panja nicht so lange alleine im Auto lassen. Auch wenn die Sonne weg ist. Deshalb bleibe ich auf dem Camping mit ihr. Und ja, ich geniesse den Abend mit einem Buch in der Hängematte doch auch sehr!

Am nächsten Tag hängen wir in erster Linie mal faul rum. Jemand spricht aus, was wir wohl alle denken. Irgendwie fühlt sich das endlich an wie Ferien… 😊

Lieferservice auf dem Camping

Am Nachmittag nehmen Caro und ich dann ein Taxi in die Stadt. Also gut, zuerst müssen wir eine Stunde auf das Taxi warten. Normalerweise stehen da immer mehrere Taxis vor dem Eingang, sogar morgens um sieben. Aber nun? Nö. Und das obwohl andere Gäste sogar eines bestellt haben um vier. Um viertel vor fünf kommt dann eeeeendlich eines an. Pfffffffffffffffft.

Die Männer haben genug Stadt gehabt und gönnen sich einen klassischen Männerabend mit Pizza und Bier auf dem Camping. Zuerst möchten wir den Garten von Yves Saint Lauren besuchen. Und was soll ich sagen? Wir sind erst etwas fassungslos, dass man hierfür Onlinetickets für eine bestimmte Zeit lösen muss. Hoppala. Willkommen im anderen Marokko. Immerhin können wir das noch rasch im Taxi erledigen. Leider sind wir etwas früh da und müssen und eine halbe Stunde die Füsse in den Bauch stehen. Die nehmen es also SEHR genau. Endlich drinnen, war es dann also na jaaaaaaaaaaaaa. Schon schön, aber irgendwie sind wir grad etwas überfordert mit so vielen Touristen. Und überall werden diese typischen Instagrammfotos gemacht. Schauder. Schnell durchlaufen und weg hier.

Wir gönnen uns ein Tuktuk für den Weg zum grossen Platz. Ist uns doch etwas zu weit zum Laufen. Wir werden allerdings leicht unruhig, als wir sehen, dass unser Fahrer ein paar Krücken griffbereit hat. Na hoffentlich kann er besser fahren wie laufen.

Beim grossen Platz angekommen, stürzen wir uns ins Gewühl der Medina. Hier gibt es ALLES. Man muss es «nur» finden *haha*. Ein paar Stunden und viele gelaufene Kilometer später, haben wir alles zusammen, was wir gesucht haben. Oder auch nicht gesucht, aber was uns gefunden wurde. Oder so. Jeden Tag müsste ich mir das also nicht antun, aber so für einen Abend war es ja mal ganz witzig in diesem Trubel.

Von Marrakesch geht es dann auf der Autobahn Richtung Tanger. Die Strasse ist sehr gut ausgebaut und wir kommen gut voran. Gut okay, man muss auch hier jederzeit damit rechnen, dass jemand über die Autobahn rennt und eigentümlich geladenen Lastwagen verkehren natürlich auch hier. Einzig mit Einkaufen tuen wir uns etwas schwer. Anstatt in einem normalen Supermarkt landen wir irgendwie in einem Laden für Grosshändler. Und der hatte natürlich nicht das, was wir gesucht haben. Aber nun gut, machen wir nochmals einen Versuch, bevor wir auf die Fähre gehen. Der Campingplatz wird zwar grad umgebaut (offenbar seit ein paar Jahren…) aber wir können uns auf den Hotelparkplatz stellen. Toiletten und Duschen können benutzt werden und es gibt auch ein Restaurant mit wirklich toller Aussicht aufs Meer. Das Essen ist zwar na ja sagen wir mal Durchschnittlich. Aber mittlerweilen sind wir also recht unanspruchsvoll, solange wir nicht selber kochen müssen.

Am letzten Morgen in Marokko wollen wir eigentlich um halb neun los Richtung Hafen. Unser Ziel wäre die Fähre um 12 Uhr. Leider macht der Carrefour erst um neun Uhr auf. Also trödeln wir noch bissel rum. Dann kurz in den Laden rein und die Mitbringsel die noch fehlen holen. Dann noch das restliche Bargeld vertanken. Leider nehmen die keine Karte. Müssen wir also nochmals anhalten. Am Hafen merken wir dann, dass die Fähre doch schon um 11 geht. So von wegen Zeitverschiebung und so. Oups das könnte knapp werden. Na vielleicht hat sie Verspätung. Hier anstehen, da anstehen und dann eeeeewigs auf das gescannt werden warten. An der Grenze zu Mauretanien wurden nur die grösseren Autos gescannt. Hier wird aber alles gescannt. Sogar Motorräder… Dementsprechend daaaaauert es natürlich. Und grad als unser Auto fertig ist mit scannen sehen wir die Fähre aus dem Hafen fahren. Mit einer knappen halben Stunde Verspätung. Pffffffffffffffffffffffffffffft.

Die nächste Fähre sollte um zwei gehen. Inshallah… Wie könnte es auch anders sein, DIE Fähre hat dann natürlich gut 1.5 Stunden Verspätung. Nagnag. Ist doch immer so *seufzg*. Schlussendlich ist es also nach 18 Uhr, bis wir vom Schiff fahren. Und anstatt noch ein Stück zu fahren, peilen wir nur grad noch den nächsten Camping an. Das war anders geplant. Aber na ja, das letzte Mal Afrika für diese Reise. Dafür gibt es im Campingrestaurante ein supermegaleckers Thailändisches Abendessen. Irgendwas Gutes kommt ja immer dabei rum…

Und nun geht es noch die letzten 2000 Kilometer nach hause.

Entlang der Erzeisenbahn zurück nach Marokko

Vollgetankt und mit aufgefüllten Wasservorräten machen wir uns auf den Weg Richtung Erzeisenbahn. Wir sind alle sehr gespannt darauf, was uns hier erwartet. Denn im Vorfeld haben wir gelesen, dass die Strecke in diesem Jahr in ausgesprochen schlechtem Zustand sein soll und dementsprechend ausgesprochen schwierig zu fahren. Hm…

Die ersten 100 Kilometer führen uns auf einer guten Teerstrasse nach Norden. Kurz vor den Gleisen geht es dann links weg. Für die nächsten 400 Kilometer werden wir, mit einer Ausnahme, immer südlich von den Gleisen bleiben. Denn die Bahnstrecke führt relativ nahe entlang der Grenze von Mauretanien und Marokko. Und dort wurde in Trump Manier ein kilometerlanger Sandwall errichtet, der mit Landminen versehen ist. Und nein, da will man nicht in die Nähe kommen.

Nach den ersten paar Kilometern machen wir ganz in der Nähe der Gleise Mittagspause. Und wir haben Glück, soeben kommt der Zug.

Die Erzeisenbahn ist mit einer Länge von 2.5 Kilometern der längste planmässig verkehrende Zug der Welt. Wir haben einmal mitgezählt, vier Loks und an die 180 Wagen hingen da dran. Der Zug bringt Eisenerz von den Abbaugebieten in der Wüste über 600 Kilometer bis zum Verladehafen am Meer. Drei Mal in der Woche wird auch ein Passagierwagen angehängt und sogar Autos werden darauf transportiert. Wir haben uns aber für das selber fahren entschieden.

Nach dem Mittagessen wartet das erste grosse Tiefsandfeld auf uns. Und ja, der Sand ist tief und die Autos müssen ziemlich arbeiten. Wir fahren uns aber nie fest. Nur die Autos kriegen ein bisschen gar fest heiss. Wir haben uns immer gewundert, ob die Temperaturanzeige bei uns überhaupt funktioniert, da die Nadel noch nie über die Hälfte geklettert ist. Aber ja, sie funktioniert und kann sogar bis kurz vor rot gehen. Oups. Motorhaube auf und abkühlen lassen. Weiter geht es dann ein bisschen gemächlicher und bald ist das Tiefsandfeld überstanden.

Kurze Zeit später überqueren wir doch für einmal die Gleise (keine Angst, da ist die Grenze noch weiter weg 😉) um zum drittgrössten Monolithen der Welt, dem Ben Amira, und seiner kleinen Schwester Ben Aisha zu kommen. Bei Ben Aisha sind seit einem Festival vor ein paar Jahren Kunstwerke aus Stein zu bewundern.

Der grosse Bruder Ben Amira könnte offenbar auf mehreren Kletterrouten bestiegen werden. Wir suchen uns in seinem Schatten ein gemütliches Plätzchen und versuchen, uns nicht allzu sehr von den ganzen Fliegen verrückt machen zu lassen. Und jesses ist das mal wieder heiss. Selbst nachts kühlt es kaum ab und wir schwitzen in den Dachzelten vor uns hin. So langsam aber sicher fange ich an, von Schnee zu träumen.

Am nächsten Tag wollen wir so weit wie möglich kommen und wir stellen uns deshalb auf einen laaaangen Tag ein. Schlussendlich wird es dann aber gar nicht so schlimm, denn wir kommen erstaunlich gut voran. Nur ein grösseres Sandfeld mit Tiefsand ist zu bewältigen. Durch unsere Tiefsanderfahrung der letzten Tage aber ein Klacks für uns. Der Rest der Strecke ist gut zu fahrende Piste. Wir können also das Theater um den Zustand der Strecke so überhaupt nicht nachvollziehen. Aber da sieht man es mal wieder, jeder hat ein anderes Empfinden was Strecken und deren Schwierigkeiten anbelangt.

Ziemlich viel Eisen liegt überall rum

Die letzten angepeilten Dünenfelder erreichen wir am späteren Nachmittag und da findet sich nochmals einen superschönen Campspot. Mauretanien lässt uns also auch am letzten Abend nicht im Stich. Der einzige Wehrmutstropfen? Es windet wie Sau und bläst uns den Sand um die Ohren und auch sonst überall hin. Tja, man kann nicht alles haben.

Das schöne am Sandsturm sind die Sonnenuntergänge

Nun ist er da, unser letzter Tag in Mauretanien. Fühle mich ja schon ein bisschen wehmütig, auch wenn noch fast drei Wochen Marokko vor uns liegen. Es fühlt sich ab sofort aber definitiv als Heimweg an. Aber zuerst muss mal wieder die Grenze bewältigt werden. Das dauert zwar auch fast zwei Stunden, ist aber eigentlich soweit unkompliziert. Ausser dass mein Länderaufkleber SEHR genau inspiziert wird. Denn für Marokko gibt es die Westsahara ja gar nicht. Deshalb sind streng genommen Karten und Aufkleber verboten, in denen die Grenze eingezeichnet ist. Mein Aufkleber hat zum Glück keine Grenze. Aber es waren zwei autonome Grenzgebiete eingezeichnet. In weiser Voraussicht habe ich die schon vor ein paar Tagen weggegrübbelt. Ein guter Entscheid, denn obwohl die zwei Beamten lange diskutieren, können sie mir offenbar nix und der Kleber darf bleiben.

Im Niemandsland

Da Marokko nach dem Ramadan die Zeit eine Stunde vorgestellt hat, erreichen wir das Hotel in Daklah dann aber doch erst spät. Es reicht gerade noch für eine Dusche. Dafür gibt es ein wirklich mega leckeres Abendessen in der Villa Daklah, auf der Terrasse direkt am Meer. Haben wir uns verdient!

Das Moto der nächsten Tage: Kilometerfressen. Denn wir müssen wieder durch die Westsahara durch, um in den Süden von Marokko zu kommen. Aber die Strasse ist gut zu fahren, teilweise sogar sowas ähnliches wie eine zweispurige Autobahn und wir kommen soweit gut voran.

Die einzige Abwechslung sind die diversen Schiffswracks, die vor der Küste auf Grund gelaufen sind.

Auf dieser Fähre sollen sogar die Autos noch drauf sein

Die erste Nacht können wir in Llayoune auf einem Parkplatz direkt am Meer mit Zugang zu Toilette und Dusche übernachten. Nix luxuriöses aber ausreichend. Und ein wunderschöner Sonnenuntergang gibt es noch gratis dazu. Aber jesses war das ein Trubel am Strand. Keine Ahnung, ob aktuell grad Frühlingsferien sind im Marokko aber auf jeden Fall hat es gewimmelt von Familien mit Kindern. Da werden kann dutzende Zelt direkt am Strand aufgebaut und es wird darin gekocht und im Meer gebadet.

Weiter geht es zur letzten Mammutetappe. Da wir Mittag endlich mal wieder durch einen Ort fahren, gibt es sogar ein sehr leckeres Mittagessen. Zur Auswahl steht Tajine mit Poulet oder gegrillter Fisch. Braucht man wenigstens nicht ewigs für die Entscheidung. Etwas ähm ja speziell ist vielleicht, dass nebendran grad der Metzger ist und die ganzen toten Viecher von der Decke hängen. Da könnte man sich Fleischspiesse bestellen, die dann grad auf dem bereitstehenden Grill gebraten werden. Frischer geht wohl kaum aber ich bleibe bei der Tajine. Während des Essens kommt grad noch eine Ladung mit Schafnachschub an. Gewöhnungsbedürftig für uns aber so isses halt.

Da wir gut vorwärtskommen und schon nachmittags in Tan-Tan sind, entscheiden wir uns noch in den nächsten Track einzusteigen. Ein guter Entscheid, denn wir finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz in den Bergen. Caro und Marcel machen noch einen Spaziergang auf den nächsten Hügel und ich backe einen Kuchen. Denn Caro hat morgen Geburtstag und das muss natürlich gebührlich gefeiert werden. Gut, der Kuchen ist jetzt nicht soooo hübsch geworden, aber schliesslich zählt ja die Geste 😉.

Zur Geburtstagsfeier am nächsten Morgen kommen dann noch ein paar Dromedare vorbei. Normalerweise sind die recht scheu und kommen einem nicht zu nahe. Aber diese Gruppe ist recht neugierig und einen kann ich sogar an der Nase streicheln. Nach dem gemütlichen Frühstück mit Geburtstagskuchen geht es weiter auf der Piste Richtung Assa. Unser Ziel ist der Campingplatz in Icht, auf dem wir mit Mark schon einmal waren. Denn wir wissen, da gibt es leckeres Essen. Irgendwie haben wir aber die Piste etwas unterschätzt. Die Fahrt ist zwar schön, die Kilometer wollen nicht weniger werden.

Deshalb ist es fast schon halb acht, als wir endlich beim Camping ankommen. Aber immerhin können wir trotzdem noch ein Abendessen bestellen. Also ab unter die wohlverdiente Dusche und dann lecker Fleischspiesse mit Pommes essen. Danke Caro nochmals für die Einladung!

Mauretanien Teil 2

Nachdem wir uns den ganzen Tag über die letzten 150 Kilometer durch tiefen Sand und über steinige Abschnitte gekämpft haben, kommen wir endlich gegen 18 Uhr in Atar an. Nur noch durch die Stadt fahren bis zum Camping Bab-Sahara. Das wäre zumindest der Plan gewesen. Leider entscheidet sich ein Esel am Karren aber plötzlich, nach Links auszubrechen und läuft voll in den Gegenverkehr rein. Trotz Vollbremsung erwischt ihn Martin. Fazit: Auto hat eine Beule im Kotflügel und eine verzogene Motorhaube. Der Esel steht zwar wieder auf, aber leider nur noch auf drei Beinen. Shit, armes Tier. Natürlich grad riesen Tumult um uns rum. Ein älterer Herr, der recht gut französisch spricht und alles gesehen hat, versichert uns zwar, dass Martin nicht schuld ist und macht das auch lautstark allen klar. Wir versuchen da wegzukommen in dem wir sagen, dass wir nichts wollen für den Schaden am Auto. Und der arme Esel ist nicht Martins Schuld. Es wird trotzdem die Polizei geholt, denn hier in Mauretanien mache man alles korrekt. Der Polizist, der eigentlich von Anfang an schon dabei ist, sich aber mittendrin umzieht und plötzlich eine Uniform anhat, ist aber ein bisschen hilflos, was er denn nun machen soll. Iiiiirgendwann nach viel warten und rumtelefonieren kommt dann einer mit einem Massband und erstellt eine minutiöse Skizze. Nach einigem Hin und Her werden wir dann endlich erstmal entlassen. Mit der Anweisung, am nächsten Tag um neun Uhr auf dem Polizeiposten zu erscheinen, um alles aufzunehmen. Na denn. Ziemlich übermüdet beziehen wir Quartier auf dem Campingplatz. Just, der Besitzer ist offenbar eine richtige Institution hier. Praktisch jeder, der mit dem Offroader durch Afrika fährt, macht bei ihm Halt. Dies ist denn auch das erste Mal seit einer guten Woche, dass wir andere Touristen in Mauretanien sehen. Auch mal wieder schön, sich bissel austauschen zu können. Aber noch viel schöner ist natürlich die Dusche!

Wir entscheiden uns, dass ich mit meinem fliessenden Französisch *räusper* Martin als Dolmetscherin begleite. Caro und Marcel bleiben derweil auf dem Camping und kümmern sich um Wäsche und sonstiges Haushaltzeugs. Pünktlich um neun sind wir auf dem Posten und oh Wunder, der Besitzer vom Esel kommt auch gerade an und der Polizist von gestern ist auch schon da. Diese Pünktlichkeit hätte ich jetzt nicht erwartet. Aaaaaaber der Chef, der fehlt noch. Der wird nun erstmal angerufen und es heisst warten. Ein Bett wird kurzerhand auf die Veranda gestellt, damit wir uns setzten können und irgendwann wird sogar noch Tee und Brot gereicht. Doch gut ist Ramadan vorbei. Erst kriegen zwar nur die Männer Tee. Bin ich ja schon ein bisschen beleidigt. Aber nein, es hatte einfach zu wenig Gläser. Nachdem der Polizist ausgetrunken hat, wird das Glas einfach nochmals gefüllt und mir hingestellt. Öhm ja, bin ja nicht heikel…

So gegen zehn taucht dann der Chef auf und bittet uns in sein Zimmer. Wir müssen erzählen, was genau passiert ist. Dann kommt der Eselbesitzer dazu, auch er muss erzählen und mit hundeblick sagt er, dass der Esel tot ist. Haben wir nicht anders erwartet, wir haben gestern schon vermutet, dass er sich etwas gebrochen hat. Armer Esel *seufzg*. Wir beteuern, dass uns das natürlich sehr leid tut aber dass wir nichts dafür können. Das Auto hat schliesslich auch einen Schaden. Ja gut, das sei ja nur eine kleine Sache zum Reparieren, aber der Esel sei schliesslich tot. Nun geht es hin und her. Es gibt zwei Varianten. Entweder der Fall geht vor die Justiz und Martins Versicherung muss zahlen. Oder wir finden eine Einigung mit dem Eselbesitzer. Die Polizei mische sich da natürlich nicht ein, habe aber nichts gegen eine Abmachung und würde dann alles fallenlassen. Das wäre halt sicher praktisch für uns, weil dann könnten wir weiter. Da wir keinen Plan haben, was es für Martin bedeutet, wenn der Fall zur Justiz weitergeht, ist uns natürlich an einer Einigung gelegen. Der Besitzer fordert 3000 Geld (etwa 75 Euro) für den Esel. Zähneknirschend handeln wir einen Preis von 50 Euro aus. Für den Schaden am Auto kriegt Martin natürlich nix. Also gut, Fall erledigt. Denkste. Nun muss der Polizeichef noch den Justizchef (was auch immer das ist) anrufen und fragen, ob das so in Ordnung geht. Also wieder warten. In der Zwischenzeit fällt dem Möchtegernanwalt des Eselbesitzers (wir haben keine Ahnung was der Typ wirklich für eine Funktion hatte, wir nennen in mal so) aber noch ein, dass wir uns versichern müssen, dass der Esel wirklich tot ist. Nein nein nicht nötig, wir glauben das. Doch wir müssen das sehen. Er unterstellt mir dann grad noch, dass ich das nur nicht wolle, da ich zartbesaitet sei und weinen würde. Vollpfosten. Ui mit dem Trottel hätte ich mich streiten können. Aber nein, ich bin brav. Na gut, dann gehen wir halt toten Esel gucken. Wir steigen also zu fünft in das Auto vom Möchtegernanwalt ein, Martin und ich schon etwas blass um die Nase. Nein, nicht wegen der Aussicht auf den toten Esel. Aber in einer mauretanischen Blechkiste durch die Stadt gefahren zu werden, ist wohl das gefährlichste, was wir in diesem Urlaub machen werden. Mercedes hin oder her. Aber nützt ja nix, also los. Also nein moment, zuerst noch kurz zum nächsten Reifenhändler und bissel Luft auffüllen, denn ein Reifen ist platt. Kleines Detail. Aber nun ab zum Esel. Martin und ich haben erwartet, dass wir in einen Schlachthof geführt werden. Nö, wir fahren zur Unfallstelle, da liegt der tote Esel am Strassenrand. Herr Polizeichef fragt, ob wir den Esel gesehen haben. Ja danke haben wir. Also wieder zurück zum Polizeiposten. Dort ist der Anruf vom Justizirgendwas immer noch nicht eingetroffen. Nochmals warten. Irgendwann wird es dem Chef dann doch zu bunt. Wenn ich auf einen Zettel schreibe, dass wir eine Einigung gefunden haben und dass wir ganz freiwillig und ohne dass uns jemand unter Druck gesetzt hat dazu bereit sind, den Eselbesitzer zu entschädigen, dann könnte er uns gehen lassen. Selbstverständlich machen wir das. Bloss weg von hier. Aber halt, dafür braucht es ja Papier. Gibt es hier aber nicht. Also muss der Chef erst einen losschicken, um ein Blatt Papier zu organisieren. Args. Derweil versucht der Polizeichef mit uns etwas Smalltalk zu betreiben. Über Fussball. Voll mein Thema und Martin ist auch nicht grad eine Hilfe 😉. Verzweifelt versuchen wir, ein paar Namen, die uns grad einfallen auszugraben. Aufgabe vor der nächsten Reise, Fussballernamen lernen… Irgendwann ist dann das Papier da. Ich schreibe mit meinem lupenreinen Französisch was auf und muss dem Chef vorlesen, was ich geschrieben habe. Der ist einverstanden, Martin unterschreibt und nach etwas drei Stunden sind wir endlich entlassen. Nur noch das Geld an den Eselbesitzer überreichen und wir haben’s geschafft. Und Martin und ich sind um eine sehr spezielle Erfahrung reicher 😉.

Den Nachmittag verbringen wir mit Putzen, Aufräumen, Nichtstun und vor uns hin schwitzen auf dem Campingplatz. Die Temperatur ist nun tagsüber bei an die 40 Grad. Gemäss Vorhersagt wird es in den nächsten Tagen bis 43 Grad *schwitz*. Als die Hitze am späteren Nachmittag etwas erträglicher wird, machen wir einen Spaziergang auf den Markt. Nebst Brot und Früchten finden wir sogar noch einen echt gut sortierten Supermarkt mit einem auf europäische Touris ausgerichteten Sortiment. Und wem laufen wir sonst noch in die Arme? Natürlich dem Eselbesitzer. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob er sich da einen neuen Esel oder doch lieber ein neues Handy kaufen wollte. Aber immerhin hat er Martin nett mit Handschlag begrüsst. So macht man sich Freunde…

Am nächsten Morgen geht es nach dem Volltanken ab nach Osten. Das Ziel ist ein altes französisches Fort, das vor ein paar Jahren nach einem Attentat aufgegeben worden ist. Gemäss Reiseführer sollten wir je zwei Tage hin und zurück brauchen. Die Fahrt ist zuerst etwas eintönig, bis wir zu einer grossen Salzpfanne kommen. Das war recht cool, da drüberzubrettern. Und schnell fahren musste man gemäss Martin, damit man schneller wie der Rost ist. Oder so… 😉

Weiter geht es entlang eines grossen Wüstengebietes. Mega schön, links die farbigen Sanddünen und rechts die schwarzen Berge.

Gegen vier reicht es uns dann und wir suchen uns einen superschönen Platz hinter einer Düne für unser Camp. Obwohl wir mitten im Nirgendwo sind, dauert es natürlich nicht lange, bis der erste Nomade auf dem Kamel angeritten kommt. Caro darf auf seinem Kamel reiten, dafür bekommt er von uns eine Flasche Wasser, ein Schoggistängeli und eine Schachtel Tee. Und einen Plastiksack, weil Kamel hat keinen Kofferraum. Am nächsten Morgen kommt natürlich auch noch der nächste und fragt nach Geschenken. Na gut, ein Schoggistängeli können wir noch erübrigen. Wundert mich ja schon, woher die jeweils kommen aber nun gut, wenn man so waahnsinnig abgelegen wohnt, dann nutzt man verständlicherweise jede Gelegenheit.

Am zweiten Tag ändert sich die Landschaft dann erstmal etwas. Die Strecke führt durch eine riesige Pfanne und über einen sehr steinigen Pass.

Unsere Autos meistern das gut und oben machen wir uns auf die Suche nach Pfeilspitzen. Die soll man in der Gegend zuhauf finden. Wir finden dann in der Tat ein paar angefangene Exemplare.

Weiter geht es zum nächste Dünengebiet. Der Track geht eigentlich rechts weg, alle Fahrspuren führen aber links, vermeintlich am Rand der Dünen entlang. Fahren wir mal da. Irgendwie werden die Dünen aber immer höher, es geht zwar gut zum fahren aber nach ein paar Kilometern ist uns dann doch nicht mehr so wohl, dass wir da mitten in den Dünen sind. Erstmal Mittagspause machen und beratschlagen. Wir fahren wieder zurück und suchen einen anderen Weg. Also alle mal drehen und auf der gleichen Spur zurück. Das funktioniert auch ganz gut, bis zum letzten Hügel. Dort ist der Sand in der Spur wahnsinnig weich und ich fahre mich kurzerhand mal schnell fest. Da es wirklich scheisse heiss ist, ist so eine Fahrzeugbergung kein Spass. Erstmal geschlossene Schuhe anziehen, sonst verbrennt man sich grauselig die Füsse. Auch Panja kriegt Mittags Schuhe verpasst, damit sie sich die Pfoten nicht verbrennt. Aber zurück zur Bergung. Kommen die Sandbleche schon wieder zum Einsatz. Luft ablassen und los geht es. Ich komme den Hügel hoch und warte auf Martin. Das dauert dann auch nochmals ein bisschen, bis er oben ist. Aber immerhin kann er seine Sandboards auch mal ausprobieren. Nachdem wir den richtigen Track finden, geht es den Dünen entlang bis zum Fort.

Ein paar Fotos machen und dann ab auf den südlichen Weg zurück. Sehr weit kommen wir nicht, im ersten Flussbett bleiben wir schon wieder stecken. Gepennt, falscher Gang also wieder Buddeln. Pfffffffffffffft. Wenigstens sind wir nun wieder wach und überstehen die Fahrt durch das sandige Tal ohne weiteres Buddeln. Bleibt also etwas Zeit um Pause zu machen und Felszeichnungen zu suchen.

Das Camp schlagen wir in einer kleinen Senke am Rande der Dünen auf. Mal wieder ein super schöner Spot und man glaubt es kaum, die zweite Übernachtung in Mauretanien, ohne zwei- oder vierbeinigen Besuch 😊. Gut nein stimmt nicht ganz, wir sehen sogar einen Wüstenfuchs. Zwar leider etwas weit weg, deshalb gibt es keine Fotos. Aber wir freuen uns trotzdem, dass wir endlich einen gesehen haben.

Tag drei führt uns zum Auge Afrikas. Auf Google Maps ist es gut zu sehen, vor Ort sieht man ohne Drohne aber nicht allzu viel. Wir entscheiden uns deshalb, nicht durch das Auge zu fahren, da es viel Tiefsand hat und man nicht einfach den gleichen Weg wieder zurückfahren kann, falls man nicht durchkommt. Wir umfahren das Auge grossräumig, allerdings ist auch dieser Weg recht anstrengend. Zuerst führt der Track durch nervige Büschelgradfelder, dann durch Steinfelder. Fahrspuren gibt es keine, die ungefähre Richtung einschlagen und einen Weg suchen, heisst die Devise.

Endlich auf einer Piste angekommen, wird es dann aber erst richtig mühsam. Abwechselnd Wellblech und Tiefsand. Beim ersten grösseren Tiefsandfeld schaffen wir es sogar, beide Autos grad nebeneinander zu versenken. Prima. Immerhin wissen mir mittlerweile, wie das mit den Sandblechen funktioniert… Zur Belohnung für die Buddelei, gibt es dann erstmal Mittagessen mit Blick in das Auge Afrikas.

Auf dem weiteren Weg kommen wir an Oudane vorbei. Diese alte Handelsstadt, könnte man besichtigen. Aufgrund der unglaublichen Hitze, lassen wir das aber bleiben und machen uns auf den sehr schönen letzten Abschnitt durch Dünenfelder bis zum wiederum wundervollen Übernachtungsplatz. Auch heute gibt es keinen Besuch in der Nacht und am Rand einer Sanddüne haben wir einen wunderschönen Blick in die Ebene.

Durch diese Ebene geht es dann am letzten Tag. Vorbei an kleinen Nomadendörfern, über sandige Büschelgrasfelder, bis wir plötzlich wieder auf eine offenbar sehr stark befahrene Piste treffen. Wo auch immer die jeweils plötzlich herkommen. Heute sind wir dankbar dafür, denn die sandige Piste ist echt cool zu fahren, wie auf einer Bobbahn, und es geht zügig voran. Bis wir kurz vor Chinguetti wieder durch ein sandiges Qued müssen. Arbeit für die Autos. Vor allem Martins Toyota mag das nicht ganz so gerne.

In Chinguetti angekomme,n werden wir dann sofort von einem Führer und mehreren Frauen belagert. Chinguetti wird als 7. heiligste Stadt des Islam angeschaut und war früher eine wichtige Handelsstadt für die Karawanen. Vor ein paar Jahren wurde die Altstadt unter einer drei Meter dicken Sandschicht ausgegraben. Die Mosche wurde in diesem Zug renoviert, wir dürfen aber nur von der Schwelle aus einen kurzen Blick in den Hof werfen. Eine weitere Besonderheit sind die vielen Bibliotheken. Eine davon besichtigen wir und ein ältere Herr erzählt uns etwas über die Hintergründe und zeigt uns ein paar alte Exemplare der noch erhaltenen Bücher. Wir versuchen seinem Französisch zu folgen und schwitzen derweil vor uns hin, obwohl der Raum eigentlich angenehm «kühl» und im Schatten ist. Anschliessend müssen Caro und ich noch zu ein paar Frauen in ihren Laden. Irgendwie haben sich die Verkäuferinnen selber nummeriert, in der Reihenfolge wer zuerst beim Auto war. Aisha ist Nummer 1, Leila Nummer 2. Problem ist, Caro will nix von Verkäuferin 1, ihr gefällt ein Armband von Verkäuferin 3. Das geht aber erst nicht, weil die eben erst an 3. Stelle drankommt. Riesenchaos und nachdem wir dann doch etwas Kleines gekauft haben, müssen wir fast die Flucht ergreifen. Ich verstehe ja, dass die Frauen nur versuchen Ihre Familien zu ernähren und das mit dem Tourismuseinbruch in Mauretanien sicherlich alles andere als einfach ist. Aber nervig ist es halt trotzdem.

Da wir alle ziemlich müde und überhitzt sind, entscheiden wir uns, nicht die Offroadstrecke nach Atar zu nehmen, sondern der Piste zu folgen. Da büssen wir allerdings erstmal mit 80 Kilometern übelstes Wellblech. Ürks.

Aber was macht man nicht alles für die Aussicht auf einen ruhigen Nachmittag auf dem Campingplatz mit Dusche und leckerem Nachtessen. Das haben wir uns wirklich verdient, bevor es morgen auf die berühmtberüchtigte Erzeisenbahnstrecke geht. Wir sind gespannt…