Lettland

Nach der abwechslungsreichen Wanderung im Sooremaa Nationalpark und einem Mittagshalt neben einer wunderschönen Kirche, geht es für uns weiter in Richtung Lettland.

Man muss schon fast aufpassen, dass man den Grenzübertrtritt nicht verpasst. Die Landschaft verändert sich denn natürlich auch nicht wirklich. Und trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass wir in einem anderen Land sind. Es gibt zwar immer noch viele sehr schicke und gepflegte Häuschen. Aber in eingen Region sehen wir doch vermehrt fast verfallene Behausungen, die noch bewohnt werden. Ausserdem ist die sowietische Vergangenheit vermehrt sichtbar in Form von verfallenen militärischen Einrichtungen und Gedenkstätten. Ausserdem müssen wir uns von den tollen RMK Plätzen verabschieden, solche finden wir hier nicht. Dafür jede Menge Campingplätze.

Unsere Route führt uns nach Sigulda. Offenbar DER touristische Hotspot Lettlands, dank dem nahen Gauja Nationalpark. Wir sind zuerst grad ein bisschen überfordert vom Trubel. Auch der sehr gut ausgestattete Campingplatz direkt an einem hübschen See ist sehr gut besucht. Wir nützen vor allem die Duschen und die Waschmaschine. Leider regnet es seit dem Mittag immer mal wieder mehr oder weniger heftig. Während der Fahrt war das nicht schlimm, aber nun wiird es etwas unangemütlich. Obwohl wir uns unter die Markise flüchten können, wird uns ziemlich bald kalt und wir flüchten uns in die warmen Schlafsäcke. Die Nachttemperatur erreicht wohl kaum noch 1

Am Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus, es hängen zwar immer noch dunkle Wolken am Himmel, aber die Sonne drückt schon bald durch. Muss ich mir doch glatt das SUP schnappen. Wann hat man schon mal einen See ganz für sich alleine. Sogar zu ein paar Schwimmzügen kann ich mich überwinden, schliesslich wartet eine warme Dusche.

So können wir in der Sonne frühstücken und alles noch etwas trocknen lassen. Für das Vormittagsprogramm trennen wir uns. Caro, Martin und Eva machen eine Wanderung in einem Tierpark. Da dort Hundeverbot ist, machen Marcel, Panja und ich eine kleine Wanderung an einem Nebenfluss der Gauja.

Nach dem Mittag treffen wir uns in dem sehr hübschen Örtchen Ligatne. Netterweise hat grad ein Eisverkäufer am Treffpunkt seinen Stand aufgeschlagen, müssen wir natürlich ausnützen. Nach kurzer Beratung werden wir uns einig, dass es heute noch nach Riga gehen soll. Wenn wir schon da sind wäre es doch schade, die Stadt auszulassen.

Der «Riga City Camping» liegt zwar mitten im Industriequartier, auf dem Parkplatz einer Messehalle. Trotzdem ist es recht ruhig und der Hundspaziergang ist auch möglich am Ufer eines Flüsschens, das gerade hinter dem Camping entlangführt. Fussäufig ist man in gut 20 Minuten am Rande der Altstadt. Alles in allem also eine gute Wahl. Die anderen machen sich schon bald auf in die Stadt, während ich mit Panja noch etwas länger am Camping bleibe, damit sie nicht so lange alleine ist.

Als Treffpunkt haben wir ein Lokal der Kette «Lido» vereinbart, ein Tipp von Janniks «Schwiegermama in spe». Für uns ein eher ungewohntes Konzept, denn das Lokal funktioniert wie eine Kantine. Man stellt sich in die laaaange Schlange, zapft sich sein Getränk (was beim Bier aufgrund des Unvermögens einiger Zapfwilligen eeeeewigs dauert) und zeigt dann auf die landestypischen Speisen, die man haben möchte. Bei mir gab es Hackbraten mit Nüdeli an einer Art weisser Bolognaisesauce und einen sehr leckeren Randen-Kartoffelsalat, bei dem ich aber beim besten Willen nicht herausgefunden haben, womit dieser gewürzt war. Caro hat dann noch aus dem vollen Geschöpft und uns eine Auswahl vom Dessertbuffet gebracht. Alles meeega fein! Desserts können sie hier sowieso. Hejejej haben wir schon leckere Kuchen gehabt hier!

Nach dem Essen ging es für Eva dann ab Richtung Camp, während Marcel und ich noch durch die Strassen flaniert sind. Riga ist wirklich eine wunderschöne Stadt. An jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Ausserdem ist es abends selbst im touristischen Zentrum überhaupt nicht überlaufen.

Auf dem Rückweg ins Camp machen wir Halt im Nachbarhotel, denn die haben eine tolle Rooftopbar mit Sicht auf den Fluss und die Altstadt. Da gönnen wir uns natürlich einen wirklich ausserordentlich feinen Drink. Irgendwie fruchtiger Wodka und was weiss ich noch was alles. Sehr fein.

Wenn wir schon in Riga sind, möchten wir noch etwas mehr davon sehen. Auf dem Plan steht die grosse Markthalle. Da dies Distanzmässig doch ein bisschen weit zum Laufen ist, rufen wir uns ein Bolt. Der Fahrer weigert sich aber, Eva ohne Kindersitz mitzunehmen. Da wir das schon befürchtet haben, schwenken wir um auf Plan B. Anstatt Marcel bleibt nun Caro zurück und nimmt nebst Eva auch noch Panja mit auf den Spielplatz. Die Markthalle ist riiiiiiiesig und es gibt alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann. Vor allem Fisch in allen Formen und Farben aber auch Fleisch. Hier wird «von Bone to Tail» noch gelebt.

Anatomiekunde im Schaufenster sozusagen. Nachdem wir uns sattgesehen haben, laufen wir nochmals durch die Altstadt mit Ziel Alberstrasse, die bekannt ist für die Jugendstilbauten. Ich bleibe dabei, eine tolle Stadt.

Unser Weg führt uns an der Russischen Botschaft vorbei (zumindest, wenn ich das mit meinen beschränkten Russischkenntnissen richtig interpretiert habe). Spannend war, dass die Strasse neben der Botschaft ein relativ neues Strassenschild hatte, auf dem «Ukraine Strasse» stand. Ausserdem hing grad vis à vis am Gebäude eines Museums ein riesiges Portrait von Putin mit einem Skelettkopf. Leider ist das Foto nicht so gut geworden. Immerhin wird hier Farbe bekennt!

Da wir gut aus der Stadt rauskommen, fahren wir wieder ein Stück auf dem TET. Teilweise wieder langweilig über Holzerautobanen. Dann aber wieder hübsche Strässchen durch Wald und kleine Ortschaften. Unterwegs machen wir noch einen Stop bei einem Holzbohlenrundweg zu ein paar hohen Sanddünen mitten im Wald. Nur Panja findet die vielen steilen Metalltreppen etwas suboptimal, hat es aber tapfer mitgemacht.

Übernachtet wird auf einem einfachen aber sehr toll gelegenen Campingplatz kurz vor Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt der Halbinsel Kurland. Der Strand vor dem Camping ist wunderschön und lädt zu einem abendlichen Bad ein. Das Wasser ist zwar eher kalt (obwol überall steht, dass das Wasser auf der Seite wärmer ist, da eher seicht, pfffffffffft) und eine warme Dusche zum Aufwärmen gibt es nicht. Sommershower nennen sie das hier.

Am Morgen laufen wir dann den Kilometer bis zum Kap Kolka dem Strand entlang und hüpfen zum Trotz grad nochmals ins kalte aber wunderschöne Meer, bevor es weitergeht.

Heute fahren wir wieder ein Stück des TET und heute sind die Wege wirklich abwechslungsreich, mal Gras, mal Sand, mal Matsch. Oft führt uns der Track durch kleine Feriensiedlungen mit hübschen Häuschen, immer paralell zum Strand.

Plötzlich stehen wir vor einem verfallenen Turm inmitten einer offenbar riesigen Militäranlage, die immer mehr vom Wald verschluckt wird. Der perfekte Platz für einen kurzen Mittagshalt.

Spätef besuchen wir noch den Leuchtturm von Ovisi; 1814 erbaut und somit ältestern Leuchtturm Lettlands. Während die anderen vier da hochklettern, lassen Panja und ich uns am wunderschönen Sandstrand den Wind um die Ohren wehen.

Dass das Wochenende vor der Türe steht merken wir, als wir auf die Suche nach einem Campingplatz gehen. Offenbar ist Camping auch in Lettland unglaublich beliebt. Wir finden Platz auf einem riiiiesigen Campingplatz, der sehr gut besucht ist. Zuvorderst an der Klippe stehen die Zelte dicht gedrängt. Gut, es ist auch wirklich eine tolle Aussicht da vorne. Wir begnügen uns mit einem der hinteren Platz abseits vom Trubel und machen dafür einen langen Abendspaziergang am Strand.

Der Held des Platzes ist für mich aber der Erbauer des Damenklos. Die Trennwände und Türen sind mit gutem Willen knapp Schulterhoch. Man sieht zwar nicht raus, wenn man auf dem Topf sitzt, jeder der vorbeiläuft, sieht aber natürlich auf den Topf. Na ja gut, eigentlich auch nur auf den Kopf…

Weiter geht es über den TET, wieder auf sehr schönen, abwechslungsreichen Wegen. Sand, Waldboden und Matsch wechseln sich ab.

Na ja gut also das mit dem Matsch war dann plötzlich ein bisschen zu viel des Guten. Wir stecken fest, nix geht mehr. Oups. Zum Glück sind wir ja nicht alleine unterwegs und dank dem Einsatz von Martins Seilwinde sind wir rasch wieder draussen. Krönchen richten und weiter geht es.

Unterwegs besuchem wir erneut einen Leuchtturm. Dieser ist noch höher wie der gestrige. Die nette Dame, die die Tickets verkauft, stellt selbst Schmuck her aus Bernstein und zeigt uns faustgrosse Klumpen, die sie hier am Strand findet. Ich schaffe es natürlich nicht, da wieder rauszulaufen ohne ein Paar Ohrringe im Gepäck…

Unser nächster Halt ist bei einer Militärkaserne, die sehr idyllisch am Strand erbaut worden ist. Heute wird ihr das zum Verhängnis, denn die Anlage wird langsam vom Meer verschluckt. Das bietet aber wenigstens tolle Fotomotive.

Die Weiterfahrt führt uns durch Liepaja, einer Stadt mit einer speziellen Geschichte. Der nördliche Teil der Stadt war zu Sowietzeit dem Militär vorbehalten. Im südlichen Teil wurde zwar gelebt, allerdings war auch hier Sperrzone. Diese Zweiteilung sieht man auch heute noch.

Da wir gestern gemerkt haben, wie beliebt Camping in Litauen ist, entscheiden wir uns, heute frühzeitig einen Camping zu suchen. Das war eine gute Entscheidung. Auf dem kleinen Campingplatz Mikjänu ergattern wir den letzten Platz. Der Platzi ist sehr liebevoll gestaltet. Der Besitzer hat offenbar ein Faible für die Fischerei und das Meer. Und obwohl es so voll ist, fühlt es sich nicht unangenehm oder trubelig an. Der wahre Star ist aber der Strand, den man nach einem kurzem Spaziergang durch den Wald erreicht. Hammer. Das Meer ist zwar recht rau, aber das Wasser ist komischerweise wärmer wie noch in der Bucht vor Riga und es macht richtig Spass, durch die Wellen zu hüpfen. Ein toller Tag und ein würdiger Abschluss für unsere Reise durch Lettland.