Nach dem erholsamen Strandnachmittag verlassen wir heute Lettland. Schon nach wenigen Kilometern überqueren wir die Grenze wiederum ziemlich unspektakulär. Auf dem Weg machen wir Halt bei einem Nationalpark um eine kurze Wanderung zu einem Aussichtsturm zu machen, von dem man auf die bekannte kurische Neerungen sieht, die wir aus Zeitmangel leider auslassen müssen. Aber nach der Reise ist ja bekanntlich immer vor der Reise! Der Wanderparkplatz ist heute aber Schauplatz eine Windsurf Wettkampfes. Überall wuseln Menschen in Neoprenanzügen herum. Wir stellen die Autos an die Strasse und laufen trotzdem zum Turm. Dieser stellt sich dann zwar eher als Türmchen heraus und die Nerungen sind schon seeeehr weit weg. Aber immerhin sehen wir ein paar Windsurfer vorbeiflitzen und Eva hat einmal mehr eine Drohne zu bewundern.

Unsere Route führt uns am Ufer der Memel entlang. Unterwegs halten wir bei einer alten Opferstätte, von der aus man an das anderes Ufer, also nach Weissrussland sieht. Über eine lange Treppe kann man bis an den Fluss runterlaufen. Allerdings sind alle ausser Marcel grad zu faul dafür. Ansonsten verläuft der Tag recht ereignislos. Die Strasse kurvt dem Fluss entlang und führt durch hübsche kleine Ortschaften. Als Übernachtungsplatz finden wir einen hübschen Campingplatz im Honeyvalley, den wir fast für uns alleine haben. Man merkt, das Wochenende ist vorbei. Marcel und Martin machen noch einen Besuch im Schloss Panemuné, während Caro und ich schon mal den Campingplatz einwohnen. Beim abendlichen Spaziergang mit Panja an die Memel, erspähe ich noch einen superschönen Stellplatz direkt am Fluss. Mal gucken, wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin. Markiert ist er auf meiner Karte jedenfalls schon mal.

Am nächsten Morgen halten wir auf dem Weg nochmals beim Schloss, damit Caro und ich es zumindest noch von aussen anschauen können und machen einen Spaziergang einmal rundherum.


Nachdem wir in einem typischen litauischen Supermarkt eingekauft haben, geht es weiter auf hübschen TET Wegen, bis wir wieder auf Asphalt wechseln, damit wir noch etwas Strecke machen können.


Denn die Zeit läuft, in drei Tagen werden wir in Berlin erwartet. Einen Halt bei einem über 50 Meter hohen Aussichtsturm in der Nähe von Bristonas, lassen wir uns aber natürlich nicht nehmen. Die Aussicht auf die Memel und die umliegenden Dörfer muss zwar mit 340 Stufen hart erarbeitet werden, lohnt sich aber sehr!

Unser Nachtlager schlagen wir auf einem tollen kostenlosen Zeltplatz an einem idyllischen See in der Nähe von Merkines auf. Das glasklare Wasser und die angenehmen Temperaturen locken sogar Eva ins Wasser. Nachdem wir ausgiebig geplanscht haben, grillieren wir unsere Fleischvorräte. Mittlerweilen sind auch alle badenden Einheimischen abgereist und Marcel und ich setzen uns mit unseren Stühlen auf den Steg und geniessen den idyllischen Abend bei einem guten Buch. Denn leider wissen wir, dass es dies wohl gewesen sein wird mit dem guten Wetter.

In der Nacht fängt es, wie das Wetterapp vorhergesagt hat, an zu schütten wie aus Kübeln. Zum Glück gibt es auch hier einen überdachten Tisch, damit wir immerhin im Trockenen frühstücken können. Das Dachzelt klatschnass zusammenzuklappen, bleibt uns leider nicht erspart. Caro und Martin waren schlauer und haben von Anfang an im Auto geschlafen. Eigentlich wollten wir noch einen Aussichtsturm und die Burghügel bei Merkines besteigen. Denn gestern sind wir an vielen dieser Hügel, die durch lange Treppen erschlossen werden extra vorbeigefahren. Bei dem Wetter lassen wir das aber sein und fahren lieber noch ein paar Waldtracks.

Dann verlassen wir Litauen in Richtung Polen. An der Grenze werden wir mal wieder kontrolliert. Wir werden nach unseren Ausweisen gefragt und halten ihm die ID unter die Nase. Ja sei o.k. Dann kommt ein zweiter und bläfft uns an, ob wir denn keine Pässe dabei hätten. Äh doch haben wir. Also dann, Pässe zeigen. Na gut. Warum auch immer aber egal. Zum Glück habe ich immer beides dabei. Caro und Martin wurden zu einem zweiten Häuschen geschickt, da sie nur IDs hatten. Der nettere Herr hat sich aber nur nochmals sie IDs angeschaut und uns dann weitergeschickt. Häh? Was auch immer dem über die Leber gelaufen ist. Na ja egal, welcome to Poland.

Unser Ziel für heute ist das ehemalige Führerhauptquartier Wolfsschanze. Die zerstörte Bunkeranlage, die von der Natur zurückerobert wird, kann mit einem informativen Audioguide besichtigt werden. Da man auf dem Parkplatz übernachten darf, nehmen wir uns zwei Stunden Zeit für den Rundgang. Irgendwie sehr surreal, wenn man die gleichen Wege läuft wie die Personen, die hier Entscheidungen getroffen haben, die so vielen Menschen so unsägliches Leid gebracht haben. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie ich das finde, dass man hier überhaupt Führungen anbietet. Auch wenn es wichtig ist, dass dieses Kapitel nicht vergessen geht. Es gibt sicher auch Leute, die diese Anlage nicht als Mahnmal sondern als Denkmal betrachten. Schwierig…


Die Nacht ist dann eher kurz. Weit nach Mitternacht bekommen wir noch einen Nachbarn mit einem Wohnmobil, dass nach der Ankunft zuerst mal umgeräumt wird. Dann wird natürlich auch noch geduscht. Args. Um sechs Uhr morgens stehen dann die anderen Nachbarn im Zelt bereits wieder auf und eine andere Dame muss genau jetzt ihr ganzes Geschirr abwaschen. Also ehrlich. Na ja, das ist leider das Los des Campers. Vielleicht sollte ich mir auf solchen Plätzen doch mal überlegen, mit Ohropax zu schlafen. Wäre besser für meine Laune ;-).
Am Morgen fahren wir nochmals etwas Überland. Mal über Sandwege, dann Kopfsteinpflaster und besonders unangenehm über eine Art Panzerpiste. Meine Güte das war ein Gerüttel. Wellbleck 2.0 sozusagen!



Kaum haben wir wieder Asphalt unter den Rädern müssen wir stoppen. Irgendwas tönt komisch. Aussteigen und ach du Schreck, uns steckt ein riesen Nagel im Rad. Wenigstens kommt Martins Würth Koffer so endlich mal zum Einsatz. Zum Glück war der Nagel aber gebogen und ist deshalb nur im Profil gesteckt. Uff. Rausziehen und weiterfahren.


Da wir immer noch viel Strecke vor uns haben, nehmen wir jetzt die Autobahn in Richtung polnische Ostseeküste. Eigentlich wollen wir noch in den Nationalpark mit den hohen Sanddünen. Allerdings lesen wir dann, dass die Dünen recht weit vom Parkplatz entfernt sind und der Besuch doch einige Zeit beansprucht. Da es nun auch wieder anfängt wie aus Kübeln zu schütten, lassen wir das sein und suchen uns einen Camping. Heute haben wir echt Glück und finden einen kleinen neu gebauten Wohnmobilstellplatz mit super Infrastruktur (das Foto ist natürlich vom nächsten Morgen…).

Wir flüchten uns auf die gedeckte Terrasse und genehmigen uns wettergemäss ein echtes Schweizer Käsefondue. Ein würdiger Abschluss für unsere gemeinsame Reise. Denn morgen treffen wir unsere Offroad Freunde in der Nähe von Berlin und verbringen ein gemeinsames Wochenende.

Fazit
Die baltischen Länder haben uns unglaublich gut gefallen. Fahrerisch zwar keine grosse Herausforderung (zumindest auf unserer Route und im Sommer) und teilweise für meinen Geschmack landschaftlich eher ein bisschen «langweilig» durch den vielen Wald. Aber die Wanderungen, Campmöglichkeiten und natürlich auch die Strände sind einfach nur grossartig. Hier möchte ich unbedingt nochmals hin mit ganz viel Zeit, um einfach mal ein bisschen an einem schönen Platz «zu sein». Ich weiss ich weiss, das sagen wir gerne mal nach unseren Reisen. Irgendwie möchten wir einfach immer viel zu viel sehen, wenn wir unterwegs sind. Na wer weiss, vielleicht schaffen wir das, wenn wir mal (noch) älter sind… 😉






























































