Nach einem gemütlichen Frühstück geht es heute zum ersten Mal ans Meer. Die Quellen sind sich nicht ganz einig, ob es nun die Ostsee oder der finnische Meeresbusen ist. Aber wie auch immer, nach einer halben Stunde Fahrt durch hübsche Wälder und sehr gepflegte Dörfer erreichen wir das Meer endlich. Hier fällt uns das erste Mal auf, wie gepflegt alles ist. Neben einem Leuchtturm steht ein wirklich hübsches und neu renoviertes Café mit grosser Terrasse. Fast schade, kommen wir grad vom Frühstück. Eva bewundert die Bällen äh Wellen und spielt im Sand und Panja geht ihrem Lieblingshobby nach, sich im Sand wälzen.

Der nächste Stopp ist das Viru Moor. Dort steht ein 11 Meter hoher Aussichtsturm, der über einen rund 5.5 Kilometer langen Rundweg über Holzstege erreicht werden kann. Zuerst ist erstaunlich viel los auf dem Weg. Keine Ahnung, wo die ganzen Leute alle herkommen. Nach dem Turm wird es aber ruhiger, da offenbar viele nicht den ganzen Rundweg laufen. Auf dem Weg zurück durch einen typischen lichten Wald mit Moosboden, sind wir dann fast alleine. Erstaunlich finden wir, dass dieser Rundweg, wie auch die ganzen RMK Camps komplett kostenlos sind. Irgendwie haben wir sogar fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass wir als «Ausländer» das auch einfach so nutzen dürfen.



Auf dem Weg zum Camp wollen wir noch einen ehemaligen U-Boot Hafen besuchen. Irgendwie hatten wir dann aber doch nicht so richtig Lust auf Museum. Also schauen wir die Anlage, die eigentlich mehr an einen Lost Place erinnert, nur von aussen an und setzen uns dann in ein gemütliches Café.

Das Nachtcamp schlagen wir auf dem RMK Purekkari telkimisala auf. Das Camp liegt ganz am Ende einer Halbinsel und man hat von vielen Stellen eine tolle Sicht aufs Meer. Zu Fuss kann man noch etwa 1.5 Kilometer bis zum Ende der Halbinsel laufen. Dauert zwar ewig, da man teilweise über Steine hüpfen und sich seinen Weg suchen muss. Aber es lohnt sich. Auch wenn sich die Sonne zum Untergang nicht so richtig zeigt.


Weiter geht es in Richtung Tallinn. Auf dem Weg in die Hauptstadt fahren wir ein kurzes aber sehr schönes Stück des lettischen TET (Trans European Trail). Der TET ist ein Netz von Tracks, die vor allem für Endurfahrer gedacht sind. Da bereits Mittag ist, als wir in Tallin ankommen, suchen wir uns erstmal eine Imbissbude in neu renovierten Hafenbereich. Auch hier alles sehr «fancy» gemacht. Aber irgendwie tue ich mich ein bisschen schwer damit, ob ich das nun gut finde oder nicht. Diese Gebiet sind zwar fancy uns stylisch, aber halt auch sehr austauschbar. Man merkt kaum, ob man nun in Tallinn oder in Barcelona ist. Aber das Essen war sehr lecker und die Aussicht auf den Yachthafen haben wir natürlich auch genossen.

Auf dem Weg zurück zum Schifffahrtsmuseum kommen wir schon an den ersten Schiffen vorbei. Die Schiffe kann man fast alle besichtigen, ohne einen Eintritt ins Museum lösen zu müssen. Wieder sind wir erstaunt, was hier alles frei zugänglich, nicht irgendwie abgesichert und trotzdem weder versprayt noch zugemüllt ist. Hm… Die anderen haben das sehr interessante Museum besucht. Und ich habe mir Panja, einen Stuhl und ein Buch geschnappt und die Kreuzfahrtpassagiere von «Mein Schiff» beobachtet, das auf der anderen Seite vor Anker liegt.

Als alle wieder im Auto sitzen, geht es noch eine gute Stunde bis zu einem weiteren genialen RMK Platz. Der ist ja mal so ganz nach meinem Geschmack. Direkt hinter Dünen, nur ein paar Meter zum langen Sandstrand. Schööööööööööööööööööööön. Natürlich musste ich unbeingt noch ins Meer hüpfen. Wind und Wellen hin oder her. Die anderen haben zwar gekniffen aber egal. Das Wasser ist recht angenehm und im Vergleich zum Mittelmeer auch fast nicht salzig. Jetzt weiss ich auch, warum Panja hier dauernd das Wasser trinken will.


Nach einer sehr angenehmen Nacht bei offenem Dachzelt und Meeresrauschen, muss ich am Morgen natürlich nochmals ins Meer hüpfen. Da wir der Insel Sarremaa einen Besuch abstatten wollen, ist unser Ziel für heute, möglichst nahe an den Fährhafen zu kommen. UND einen Campingplatz zu finden mit Duschen, denn das wäre mal wieder nötig. Wir folgen dem TET Track, der uns durch wirklich tolle Wälder und vorbei an riesigen Windkraftanlagen führt.



Nach dem Mittagessen gibt es noch einen kurzen Halt in einem Nationalpark. Wir laufen die rund 1.5 Kilometer bis zu einem Aussichtsturm. Leider ist dort ausser Kühe nicht wirklich was zu sehen. Bilder unterwegs zeigen uns aber, dass es schon sehr eindrücklich sein muss, wenn alles um den Turm sich in einen riesigen See verwandelt. Nun ist es dafür leider zu trocken. Da nützt es auch nix, dass es heute immer mal wieder nieselt oder sogar kurz aber heftig regnet. Müssen wir halt nochmals wiederkommen, wenn mehr Wasser liegt.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker bereits um 7 Uhr. Denn wir haben zum Glück noch rechtzeitig festgestellt, dass die Fähre nach Sareemaa wohl am Samstag sehr beliebt ist. Unsere Wunschverbindungen sind ausverkauft, also buchen wir noch schnell zwei Tickets für die Fähre um 9:40. Da schon wieder eine dunkle Regenwolke im Anschmarsch ist, geht das Zusammenräumen ausserordentlich fix und wir sind frühzeitig am Hafen. Auch hier wieder alle top modern. Die Schranke öffne sich bereits, weil sie unser Kennzeichen erkannt hat und uns wird die richtige Linie angezeigt. Wow. Die Fähre wirkt denn auch sehr neu, hat ein schönes Restaurant und einen Spielplatz. Obwohl die Überfahrt nur eine halbe Stunde dauert, lässt es sich Eva natürlich nicht nehmen, diesen auszukundschaften.

Auf Sareemaa angekommen, wagen wir uns direkt wieder auf einen TET Track. Und landen irgendwie mitten im Matsch. Jösses, hier möchte ich also nicht langfahren, wenn es länger geregnet hat. Wir kommen zwar gut durch, sauen aber unser Auto einmal komplett ein. Martin hat das irgendwie bits besser im Griff, sein Toyota sieht noch fast jungfräulich aus.


Nach einer Mittagspause am Ende einer Landzunge im Osten der Insel, geht es ganz in den Westen. Obwohl wir zeitweise den TET verlassen, um bissel Strecke zu machen, zieht sich die Strecke ziemlich. Liegt vermutlich auch daran, dass sowohl der TET als auch die normale Teerstrasse grösstenteils durch Wälder führt. Selbst wenn die Strecke auf der Karte fast am Meer entlang führt, ist nichts spannendes zu sehen. Ich glaube wir sind alle froh, als wir endlich am Ende der Landzunge bei einem weiteren Leuchtturm ankommen. Eva dreht ihre Runden in einem Steinlabyrinth, während Marcel mit Panja bis ganz ans Ende der Landzunge läuft. Zur Belohnung gibt es Café und Kuchen auf einer Terrasse mit Meerblick. Nur der Wind ist ein bisschen ein Spielverderber.

Der Plan ist also klar, ein relativ windgeschütztes Camp muss her für die Nacht. So macht das keinen Spass. Eigentlich wären wir zwar alle müde, aber hilft ja nix. Hier wollen wir nicht bleiben. Das angepeilte RMK Camp Veere, das im Osten einer Landzunge liegt und demnach etwas geschützter sein müsste, liegt noch eine gute Stunde entfernt. Dort ist aber weil Samstag irgendwie die Hölle los und es dauert, bis wir uns in ein passende Plätzli manövriert haben. Schlussendlich ist es aber eine gute Wahl, denn nachts ist es komplett ruhig und wir stehen direkt am Meer, das hier allerdings mehr wie ein See wirkt. Nur Baden ist leider nix, ausser für Panja. Denn das Wasser ist voller Quallen. Am Ufer ist ein richtiger Algenquallenglibberteppich. Buäk. Google versichert uns zwar, dass diese Ohrenquallen nicht gefährlich seien, aber wer weiss denn schon, ob sich Google nicht auch mal irren kann.

Am nächsten Morgen werde ich schon um halb sieben wach, da mir die Sonne durch das Fenster direkt auf die Nase scheint. Frechheit! Rausgeguckt, superschönes Wetter und das Meer spiegelglatt vor der Haustüre. Na gut, muss eh aufs Klo, steht ich halt auf und lese ein bisschen am Strand. Stuhl und Buch schon platziert guck ich nochmals ans Ufer. Über Nacht haben sich die Quallen irgendwie verzogen. Es hat zwar schon noch einzelne, aber nicht mehr so einen dicken Glibberteppich. Hmmmm ich habe ja meinen Kopf durchgesetzt und das SUP eingepackt. Eeeeeigentlich, warum nicht? Gesagt getan, alles aus dem Auto gekramt, SUP gepumpt, lange Hosen angezogen und todesmutig durch die paar Quallen gewatet. Nix passiert, uff! Hatte die leise Hoffnung, dass es mitten auf der Buch keine Quallen hat. Denkste. War wie die Schildkrötenwanderung bei «Finding Nemo». Überall waren Quallenstrassen. Ne, da gehe ich also nicht rein. Egal was Google sagt. Paddel ich halt durch die Bucht und geniesse den ruhigen Morgen.

Nachdem die anderen auch aufgestanden sind und wir ein Pancakefrühstück genossen haben (ist schliesslich Sonntag!), verlassen wir diesen wundervollen Platz. Schliesslich gibt es noch viel zu sehen.

Auf der anderen Seite der Bucht finden wir grad einen richtig tollen Track durch den Wald. Die Fahrspuren werden immer schlammiger und es sieht aus wie bei einer Urwaldexpedition. Handy raus und filmen. Cool. Aber ähm sh…, vergessen den Aufnahmeknopf zu drücken. Wuah, sowas dummes aber auch. Anfängerfehler…
Der nächste Halt sind die Klippen von Panga. Nachdem es heute morgen in der Bucht noch eher den Anschein gemacht hat, dass wir an einem grossen See sind, ist hier so richtig Meer. Die Wellen brechen sich weit unten und es führt ein Spazierweg entlang der Klippen. Fast ein bisschen Portugalfeeling. Man könnte noch bis zu ehemaligen Militärbunker laufen, das schenken wir uns aber.

Eva haben es die Spielautos aus Holz angetan, wir Erwachsene plündern den Snackkiosk. Zugegeben, an frittierte Wieneri muss man sich gewöhnen und was mit Dumplings übersetzt worden ist, hat damit so gar nichts zu tun. Wie so kleine Tortellini die mit Brät gefüllt sind und ausfrittiert werden. Sehr lecker. Zum Dessert gibt es noch einen leckeren Schoggimuffin. Was sich als etwas ungeschickt herausstellt, da unser nächster Stopp bei einer kleinen Senfmanufaktur von deutschen Auswanderern ist. Senf probieren nach einem Schoggimuffin ist jetzt ein bisschen gewöhnungsbedürftig.
Ansonsten sind die Tracks leider nicht mehr so spannend wie der erste am Morgen. Mehr oder weniger geradeaus durch den Wald auf Schotter, na jaaaaaaaaaaa. Zum Glück kommen wir schon bald bei einem kleinen, hm wie soll man dem sagen, Heimatmuseum an. Auf dem sehr schön hergerichteten Gelände stehen ein paar Windmühlen und alte Landmaschinen und Traktoren. Gekrönt von einem kleinen Streichelzoo, den Eva aber leider verschläft.

Geplant ist, dass wir heute mal ein bisschen früher Feierabend machen und uns ein Camp an einem Sandstrand suchen. Der erste Versuch ist leider ein ein Fail. Der Strand ist übersäht mit moderigem Schilf, das vor sich hin stinkt. Ausserdem ist das Wasser am Ufer ganz rötlich, vermutlich vor Algen. Buäk, hier möchten wir nicht schwimmen gehen. Nun wissen wir auch, warum so gar nix los ist auf diesem riesigen Campareal. Weiter geht es zum nächsten Strand. Und da haben wir also viel mehr Glück. Nur schon das Gewusel auf dem Parkplatz deutet darauf hin, dass der Strand gut sein muss. Man läuft zwar etwas 300 Meter bis an den Strand, der Weg führt aber durch einen hübschen Wald. Und der Strand ist genial, flach abfallender feiner Sandstrand wohin das Auge reicht. Kein Wunder, ist hier am Sonntag einiges los. Die Wellen sind auch recht hoch und es macht so richtig Spass, da drinnen rumzuhüpfen.

Nun ist der letzte Tag auf Saaremaa angebrochen. Auf dem Weg zur Fähre fahren wir noch durch eine Gegend, wo superschöne Ferien»häuschen» stehen. Viele davon neu gebaut oder wohl kürzlich komplett saniert. Suuuuuper schöne Anwesen. Mit selbstverständlich akkurat gemähtem Rasen. Ich glaube hier in Estland kriegt jeder zum Schulabschluss einen Rasenmäher. Anders kann ich mir das nicht erklären. Habe noch in keinem anderen Land so akkurat gemähte Rasenflächen in diesen Dimensionen gesehen!
Gegen Mittag kommen wir grad noch als letztes Autos auf die Fähre. Glück gehabt. Wie das System genau funktioniert, haben wir zwar nicht ganz gerafft. Man bucht eine bestimmte Zeit, aber wenn man früher kommt, dann lässt einen die Schranke trotzdem rein. Obwohl wir online für dies frühere Verbindung nicht mehr buchen konnten, da ausgebucht. Soll mal einer verstehen. Na egal, hauptsache wir sind drauf!
Da grad Mittag ist, plündern wir noch das wirklich gut ausgestattete Bordrestaurant, bevor es dann teils über den TET Trail und teils über Teerstrassen mehr oder weniger abwechslungsreich bis nach Pärnu geht. Die Stadt gilt als «Sommerhauptstadt» Estlands. Warum weiss ich eigentlich gar nicht, vermutlich weil hier der Tourismus schon seit jeher brummt. Bei der Anreise sehen wir schon vor der Stadt viele neu gebaute, sehr hübsche Häuser. Wir sind uns einig, die würden wir auch nehmen. Wenn denn ein Gärtner und ein Fensterputzer im Kaufpreis mit dabei ist! Auch das Stadtzentrum ist wirklich hübsch gemacht. Wir finden ein Café mit einer tollen Auswahl an Torten, durch die wir uns durchprobieren. Anschliessend schlendern wir durch die hübsche Fussgängerzone. Ich fühle mich ein bisschen wie man Filmset von «Gilmore Girls». Nur die Elefanten, die hier allgegenwärtig sind, passen nicht so recht ins Bild. Gemäss Google war wohl mal ein Zirkus in der Stadt und da die Bewohner sich so darüber gefreut haben, wurde der Elefant quasi Stadttier.



Nun ist es nur noch eine knappe Stunde bis zu unserem Ziel, dem Soomaa Nationalpark. Wir finden wieder ein tolles RMK Camp direkt am Fluss.

Leider fängt es schon bald an zu regnen. Wobei ganz so leider ist das irgendwie doch auch nicht. Denn trotz Regen, werden wir fast von Mücken gefressen. Ich möchte ja gar nicht wissen, wie es hier wäre, wenn es nicht regnet! Wir haben den Platz für uns ganz alleine und nehmen den überdeckten Tisch in Beschlag. Regen hin oder her, ich habe ja ein SUP dabei. Badeanzug an und ab aufs SUP. Spart mir grad die Dusche. Eine Stunde paddel ich über den moorigen Fluss. Sooooo schön, trotz strömendem Regen. Fühle mich fast ein bisschen wie Mogli im Dschungel!

Eigentlich ist der Plan, dass ich am nächsten Morgen nochmals paddeln gehe. Aber irgendwie schläft es sich hier einfach zu gut und so reicht die Zeit dafür nicht mehr. Denn wir wollen den Ingatsi Moorweg laufen. Vom Parkplatz aus führt der Weg zuerst über etwas schlüpferige Holzdielen durch einen Dschungelwald bis zur Moorkante, die fünft Meter höher liegt wie der Wald. Oben auf dem Moor steht dann ein 15 Meter hoher Turm. Von da aus überblickt man die die weite Moorlandschaft. Der Trail läuft noch weiter bis zu den ersten Moorseen, in denen man auch baden könnte. Irgendwie ist es uns dafür aber grad etwas zu frisch. Wir beschweren und aber so gar nicht über den Wind, denn der hält uns die Mücken hier immerhin etwas fern. Im Wald wurden wir noch fast bei lebendigem Leibe verspeist. Es sind nur wenige andere Wanderer unterwegs und so geniessen wir das Moor zeitweise ganz für uns alleine.



Und nun geht es weiter nach Lettland.







































































































































































































